Lässt Glück sich produzieren?

Wer meinem Blog bereits länger folgt weiß, dass ich Freund von unrepresäntativen Eigenexperimenten bin. Die sind natürlich statistisch nicht relevant, aber für einen Gedankenimpuls gut.

Der Volksmund meint ja, daß Lachen glücklich macht. Das Internet verriet mir, dass es  Lachseminare, Lachyoga, unzählige Bücher und Feeds gibt. Diese Seminare und Workshops scheinen sich großer Beliebtheit zu erfreuen. Und offenbar gibt es unter den Teilnehmern viele „Wiederholungstäter“. Doch bin ich mir nicht sicher, ob so etwas nachhaltig erfolgreich sein kann. Sicher kann ich Gedanken und Stress wegatmen und mit einem Schild aus Lächeln einer schwierigen Situation entgegen treten.

Doch der Gekanke, dass ich eine Anleitung erfahren soll, wie ich das, was früher ganz natürlich in Form eines unterdrückten Glucksen aus uns heraussickerte, oder auch mal vulkanartig in Form eines herzhaften und schallenden Gelächters aus uns herausplatze, nun von einem Fremden, oder im Rahmen einer „Selbshilfegruppe“ wieder-erlernen soll, behagte mir nicht.

Also habe ich in letzter Zeit, in mich hineingehört, wie es mir geht, wenn meinem Gegenüber gerade ganz und gar nicht zum Lächeln zumute ist. Was passiert dann in mir? Und was, wenn in mir selbst gerade kein Fünkchen Humor zu wohnen scheint? „Es ist die selbe Art von Gefühl, nur in unterschiedlicher Intensität.“, stellte ich fest.

Natürlich gibt es unzählige Facetten eines jeden Gefühls, da in der Regel viele äußere und innere Faktoren korrelieren. Diese sind in der Regel nur zum Teil beeinflussbar.
Innere Faktoren, wie Prägungen, Traumata und Konditionierungen, lassen sich nicht so einfach „wegwischen“ – Weder situativ, noch durch ein Wochenendseminar. Auch äußere Faktoren, wie die Lebensumstände, Wohn- oder Verwandschafts- oder Beziehungssituationen sind häufig Konstanten, die einen langfristigen Einfluß ausüben. Und unser Inneres hat sich hierfür ein mal mehr und mal weniger stabiles Gefühlsgerüst gebaut. Daher habe ich beide hier ausgenommen.

Aber die kleinen Unwägbarkeiten des Alltages sind es häufig, die das Gerüst unserer Fassung zum Wanken oder Einstürzen bringen.  „Und genau hier,“ habe ich mir gedacht, „kann man einen Hebel, eine Stütze oder eine Art „Lachgummi“ anbringen“. Ein Gummiband, das unser schwankendes Gerüst wieder aufrichtet und so ein glückliches, dankendes oder zuversichtliches Lächeln malt.

Im Rahmen meines Berufes, rede ich viel mit Menschen. Und wenn ich bemerkte, dass wir das Problem, wegen dem ich eigentlich mit ihnen sprach verließen, nahm ich mir nun etwas Zeit zu zuhören. Und wenn es mir passend erschien, durch eine Frage oder Anregung, die ich in ein aufrichtiges Lächeln verpackte, mein Gegenüber sanft von dieser geradeaus verlaufenden Gedankenstraße zu schubsen. Und zwar damit er sich an diese Stelle  umschaut und prüft, was genau der Anlass der Sorgenfalten oder des Grolls ist. 

Ein Beispiel: Ein Kunde beklagkte sich bei mir darüber, dass es in seiner Firma so ungerecht zugeht. Da bekommt jemand zu Firmenjubilieum einen Blumenstrauß, ein paar nette Worte vom Chef und dann hat der auch noch das größere Büro. Und das alles, obwohl er noch gar nicht so lange in der Firma arbeitet.
Ich sagte mit einem leichten Lächeln, dass ich mir nicht vorstellen könne, dass der Chef so etwas tut, um jemanden herabzusetzen, das sähe ihm nicht ähnlich. Und auf meine Frage, wie der Chef sich denn beim Jubileum meines Kunden verhalten hatte, stellte sich heraus, dass der Chef im Urlaub war. Es war also keine Geringschätzung oder Günstlingswirtschaft, sondern lediglich ein Organisationsmangel. Sein Jubileum war einfach „durchgerutscht“. Wir schauten uns an und ich bemerkte, wie das erste meiner Hilfsgummis festschnappte und während eines angenehmen gleichzeitigen Lächeln, offenbarte mein Kunde mir „Naja, und mein Kollege hat allein so ein grpßes Büro, weil niemand mit ihm zusammensitzen mag.“ Nach einigen Sekunden, die seine Augen weit hinter seinem Bildschirm fokussierten, schaute mich mein Kunde an und sagte: „Aber trotzdem bekomme ich immer die Fehlermeldung, wenn ich Briefumschläge drucken möchte.“ Das zweite Gummi hatte offenbar die Balance wieder hergestellt. Das Thema Büro war offenbar nur an den eigentlichen Punkt, dem Stein des Anstoßes montiert worden und hatte sich nun aufgelöst.
Und nun fühlte ich mich etwas glücklicher und zufriedener, denn wir hatten seine Sorgen hinter uns gelassen und konnten uns den Problemen des Arbeitsalltages widmen.

Sicher ist dies keine neue Erkenntnis, dass es hilfreich ist, auf andere Menschen einzugehen, doch vielleicht ist es hilfreich, sich dies gelegentlich zu vergegenwärtigen. Und genau das nehme ich aus dieser Situation mit.

Doch ist ein leichtes Lächeln, nachdem man sich Gedankengroll über Bord geworfen hat nicht gerade das, was ein Lachseminar in mir entfachen wird oder soll.

Aber der Effekt scheint der selbe. Denn mein Glücksgefühl kam dadurch zustande, dass mir positive Energie entgegenstrahlte. Und sie war echt.

Aber was, wenn ich künstlich ein Lächeln aufsetze und etwas belangloses sage. Lässt sich ein kleiner Glücksmoment auch so syntetisch schaffen?

Keinen Tag später fand ich mich in einem kleinen Hofladen wieder, und als der Mann hinter der Käsetheke meine Käse schnitt, abwog und verpackte, fasste ich Mut und sagte mit einem Lächeln „Na, schön dass bald Feierabend ist, wie lange haben Sie noch?“. Er schaute hoch und wirkte, als würde er aufwachen. Lächelnd blickte der Verkäufer mich an und erleichterte sich „Ja, es gibt Tage die nicht enden. Aber die letzte Dreiviertel Stunde ist ja schnell um.“ Wir nickten uns herzlich zu, ich nahm meinen Käse entgegen. Mit einem ehrlichen Lächeln, trennten sich unsere Wege wieder. Und da war es wieder!

Obwohl meine Bemerkung mit dem Feierabend künstlich belächelt begann, war das Resultat ein kleines Glücksgefühlt für uns beide. Die Wolken waren verschwunden. Wenigstens für einen Moment.

Fazit: Vielleicht ist eine Lachtherapie für einen kühlen norddeutschen Jung nichts. Aber Es scheint zu funktionieren. Glück ist abrufbar, wenn einer der Beteiligten den Impuls gibt.

Ich danke Dir, dass Du mir bis hier gefolgt bist und verabschiede mich mit einem freundschafltichen Lächeln 🙂

Patrick

Ein Kommentar zu „Lässt Glück sich produzieren?

Gib deinen ab

  1. Ich denke, Dein Gegenüber spürt schon, ob Du es ehrlich meinst, selbst wenn Du Dich gerade darum bemühen musst. In Deinem Thekenbeispiel waren es wohl eher die Worte und das Sehen des Anderen, was das Glückgefühl ausgelöst und Dir ein Lächeln geschenkt hat. Wer fühlt sich nicht gern gesehen und angenommen in seiner aktuellen Lage?
    Das ist doch aber ein guter Weg, Anderen und damit auch sich selbst Freude zu bringen. Ich mache sowas auch manchmal – muss ich zugeben…
    Das mit dem Lächeln, naja. Da gibt es durchaus Untersuchungen, dass man, wenn man die Gesichtsmuskeln wie zum Lächeln „verzieht“, man dann doch ein wenig angeregt wird, sich besser zu fühlen. Häufig fängt so ein Lachseminar deswegen auch damit an, dass man einen Bleistift quer zwischen die Zähne legen soll. Es fällt einem dann wohl deutlich schwer, wirklich ganz schlechter Laune zu bleiben. Das habe ich aber noch nicht selbst ausprobiert, sondern nur gelesen.
    Ich vermute aber, dass das alles nur hilft, wenn es sich um leichte temporäre Verstimmungen handelt. Bei einem schwierigen, existenziellen Problem wird man durch Lächeln zu keiner Lösung kommen – es sei denn, man kommt mit dem „Belächelten“ ins Gespräch und findet gemeinsam einen Ausweg 😉
    Die ein frohes, lächelndes Jahr und uns allen viele weitere schöne Selbstexperimente.

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