Auf nach Marokko – Via von me 4

Sechs lange Tage voller Nachrichten, zwischen kritischer Realität und romantischer Euphorie lagen nun hinter ihm. Eine Woche ist zu lang für die zarte Blüte frischer Gefühle.

Das Date zum Brunchen war nach Startschwierigkeiten so gut gelaufen, dass Ralph am liebsten den ganzen Tag mit ihr verbracht. „Blöde Spielchen! Wer hat solche Bücher eigentlich geschrieben? „Nicht mehr als zwei Stunden beim zweiten Date und nur einen Kuss auf die Wange. – Mumpitz!“

Ab nun würde er selbst die Regeln schreiben.

Anna und ihn verband nun nach den Treffen und den darauf folgenden Chats so viel mehr. Es gab ja vom ersten Moment so ein Band zwischen ihnen, das außergewöhnlich war. Nun fühlte er sich auf eine fast unheimliche Weise mit ihr verbunden.

Aller Atemtechnik, die er sich beim Sport antrainiert hatte, zum Trotz trommelte Ralphs Puls wie auf Djembes in seinen Ohren.

„Hey Ralph“, riss Anna ihn aus seiner Panik in die Realität. Die Trommeln verstummten abrupt! Wo auch immer sie her kam, stand sie plötzlich neben ihm. Ihre tiefe, etwas ernst wirkende Stimme breitete sich wie ein beruhigender, wärmender Film auf seinem Brustkorb aus und während ihre Haare im Wind Wellen schlugen, trat er drei Schritte auf sie zu und nahm sie in den Arm.

Sie hielt ihn fest und unendlich schöne, lange Sekunden standen sie leicht wiegend da und genossen den Duft, die Umarmung und die plötzliche Verbundenheit.

„Ich bin so froh. Es fühlt sich großartig an!“ flüsterte Ralph in Annas Ohr. Er hätte ihr auch ein Telefonbuch aufsagen können, denn eigentlich war jedes Wort überflüssig und sie hörte ihn gerade eh nicht. Doch Anna merkte genau, was er fühlte und drückte ihn, wie zu Bestätigung noch etwas fester.

Dann ließ sie ihn nicht los, löste sich aber etwas um ihm in die Augen zu sehen. „Lass uns ein paar Minuten spazieren gehen. Die Luft und der Wind sind gerade so angenehm erfrischend.“ sagte Anna.

Die Außenalster war wunderschön und sie genoss es, sehr wie die anderen Frauen ihr unauffällig zunickten, wenn sie ihre glücklichen Augen sahen.

„Anna, heute machen wir einen Kurzurlaub in Marokko.“ Sie schaute ihn skeptisch lächelnd an.

Dann führte er aus: „Ich habe uns einen ruhigen Tisch im Imara reserviert. Wäre es ok, wenn wir etwas essen und uns ganz in Ruhe unterhalten? Ich möchte alles wissen und kann Dich erst dann wieder gehen lassen – oder dann erst recht nie wieder.“

Ok das war zuviel. Sie verdrehte grinsend die Augen, „Aber nur weil Du offenbar unterzuckert bist, Du Romantiker.“

Knapp zwanzig Minuten später fanden sie einen Parkplatz und wurden im Restaurant angekommen, vom Kellner zu ihrem Tisch geführt. Der Hauptraum des Restaurants war groß und quirlig, doch der Kellner sagte: „Kommen Sie bitte mit, nebenan sind ruhige Tische. Sie hatten bei der Reservierung nach einem gefragt.“ Anna schaute Ralph unauffällig an und freute sich, dass er offenbar an alles gedacht hatte. Ein echter Prince Charming – etwas zu sehr vielleicht, aber das würde sicher noch ab-ebben, dann wäre er perfekt.

Als Anna den Raum betrat fühlte sie sich sofort wie im Urlaub. Leise Musik, große orientalische Loungesofas, orientalische Tische und leises Licht. Sie schritten zu ihrem Tisch, Ralph nahm ihr die Jacke ab und wie selbstverständlich setzen sie sich nicht gegenüber, sondern nebeneinander auf das Sofa.

Annas Augen wirkten in diesem Licht noch größer und als sie ihn ansah, legte er seine Hand auf ihren Oberarm, strich ihr mit der anderen zärtlich durchs Gesicht und genoss die Energie, die aus ihren Augen direkt in seinen Brustkorb strömte.

„Anna, fühlst Du es auch?“ Sie neigte den Kopf und ganz sanft und kaum merklich berührten sich ihre Lippen.

Etwas zu rumpelnd stellte der Kellner die Weingläser auf den Tisch und ließ Anna und Ralph wie zwei Schulkinder zusammenfahren und mit hochrotem Kopf zu ihm aufschauen. Er lachte leise und zwinkerte freundlich.

Das Essen und ihre Gespräche ließen den Abend zu einem Augenblick schrumpfen.

„Ach es war so schön, Ralph!! Und ich hatte befürchtet, kein Gesprächsthema zu finden. Aber mit Dir könnte ich ganze Nächte durch reden.“

Ralph hob eine Braue und schaute Anna ohne Miene an. Prustend ergänzte sie: „Naja, wenn Du wirklich so gut massierst, halte ich vielleicht den Mund und wir üben uns in nonverbaler Kommunikation.“

Er schnappte nach Luft, als sie ihn unvermittelt an sich heranzog.

„Weißt Du was das schöne an einem Freitagsdate ist, Ralph? Wir können uns morgen auch noch mal treffen. Lass uns drüber schlafen und morgen früh schreiben wir…“

„Nonverbale Kommunikation“, grübelte er auf dem Heimweg. „Hat sie mir wirklich eben gesagt, dass wir morgen vielleicht Sex haben?“ Ralph überlegte wie fiebrig, da fiel ihm die Lösung ein. „Sie ist ganz bezaubernd, geheimnisvoll und liebenswert ungewöhnlich! Und besondere Frauen erfordern besondere Dates.

Mit Herzklopfen, und voller Glück fuhr er nach Hause und freute sich darauf heute keine Minute Schlaf zu bekommen…


Dies ist die vierte Szene einer Kurzgeschichte „Via con me“.
Die anderen Teile findest Du hier:
Teil 1 Nähe

Teil 2 Das Bindeglied

Teil 3 Quarkbrötchen

Weitere Teile folgen bald.

13 Kommentare zu „Auf nach Marokko – Via von me 4

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      1. Ich glaub‘ schon, daß es mit den beiden was wird😊 Sie können nämlich zumindest schon mal gut miteinander reden. Aber es kann immer noch sein, daß sich einer der beiden nicht auf eine feste Beziehung einlassen will, vielleicht ist es nur ein Strohfeuer…..🤔

        …… und ich kann gerade nicht bei dir liken, weiß nicht warum, versuche es morgen wieder🙈

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      2. Okay, aber trotzdem ist das Kind kein Garant – aber ich hoffe es sehr, daß aus den dreien eine stabile Familie wird💜😊 Mal abwarten……
        Wünsche dir einen schönen Tag, lieber Patrick🌞
        LG Elisabeth

        Gefällt 1 Person

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