Das Bindeglied – Via con me Teil 2

Musik war mein Leben. Schon in seiner Kindheit hatte ich, wenn meine Eltern Besuch hatten, oben am Treppenabsatz gesessen und während unten gefeiert wurde, die Musik gehört.
Im Laufe der Jahre hat sich eine stattliche Musik-Sammlung angehäuft. Aus unzähligen Liedern habe ich mir Wiedergabelisten zusammengestellt, die genau das beinhalteten, was mich bewegt. Soul, Rock, Jazz, Pop, Electro – Einfach alles. Doch eines hatten die Stücke gemein. Sie bewegten mich auf unterschiedlichste Weise. Bauten mich auf, pushten mich, gaben mir Ruhe, ließen mein Herz glühen.

„Wenn Dich Musik richtig berührt, kann kein Gedicht der Welt mithalten.“, hatte schon meine Oma mich gelehrt.

Und plötzlich war alles anders.

Mit einigen Freunden war ich Essen gegangen und anschließend wollten mir in den Mojo-Club um zu feiern. Einige Tische weiter saß an einem Tisch eine Gruppe Frauen, die ausgelassen wirkten. Offenbar gab es Grund zu feiern. Rechts außen saß eine schlanke, im Vergleich zu den anderen etwas zurückhaltendere Frau. Ihr gefiel die Musik, die im Restaurant lief – Paolo Conte „Via con me„. Leicht wippend stand sie langsam auf und sah in seine Richtung. Sie richtete ihre vollen, schwarzen, unbändigen Haare.

Langsam drehte sie sich und als sie in seine Richtung näher kam, bemerkte er, dass er sie kannte. Aber das konnte nicht sein. Sie ging nur circa drei Meter an ihm vorbei in Richtung Toiletten und verschwand aus seinem Blick.

„Hey Ralph“, ich habe Dir gesagt, dass Fernet Branca nicht schmeckt!“ rissen meine Freunde mich ins Jetzt zurück. „Was hast Du denn? Wollen wir kurz vor die Tür? Ich will eh eine rauchen.“

Als ich nach Sekunden reagierte, schaute ich Stefan eindringlich an. Stefans Augen weiteten sich „Alter, Du bist ja völlig von der Rol“, „Sie ist hier“ unterbrach ich ihn. Wie Scheinwerfer richteten sich nun alle Augen meiner Freunde auf mich und mir wurde mulmig unter dieser ungeteilten Aufmerksamkeit. Ich stand auf, „ich brauch´ mal frische Luft“, sagte ich und ging hinaus.

Chasing Cars klang in meinem Kopf, als ich die nassen Straßen hinunter ins Leere schaute. Dieser Song hatte mich immer schon tief bewegt.

Alleswas ich bin
Alles was ich jemals war
Befindet sich hier in deinen perfekten Augen
Sie sind alles, was ich sehen kann.“

Gibt es ein schöneres Liebesgeständnis?

Immer habe ich solche Lieder geliebt und Abends mit meinen Kopfhörern zu Hause gesessen und ihnen gelauscht. So viel Gefühl…

Und nun hatte ich sie gesehen! Beim ersten Mal war ich auf dem Weg zur Arbeit, als die U-Bahn losfuhr, an ihr vorbei gefahren. Unsere Blicke hatten sich nur kurz gekreuzt.
Als ich ihr in die Augen sah sie, waren alle Lieder plötzlich Realität und miteinander wie verbunden. Sie war das fehlende Glied, das eine belanglose Kette zu einer Unendlichkeit formte.

Da gibt es so viele Lieder, Filme und Gedichte, aber die wahre Liebe geht einem durch die schmutzigen Scheiben der U-bahn verloren.

Hinter mir, keine 10 Meter entfernt, wusste ich die Frau meines Lebens und stand gelähmt im Regen und rang nach Fassung.

„Du hast nur eine Chance, nur e i n e! Also was machst Du? Aus dem Regen raus, sonst siehst Du aus, wie ein Landstreicher.“, dachte ich und wandte mich in Richtung Zukunft.


Dies ist die zweite Szene einer Kurzgeschichte „Via con me“.
Die anderen Teile findest Du hier:
Teil 1 Nähe

Teil 2 Das Bindeglied

Teil 3 Quarkbrötchen

(weitere folgen bald)

PS: Querverweis: Musik ist wesentlicher Bestandteil unseres Lebens und unserer Vergangenheit

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6 Kommentare zu „Das Bindeglied – Via con me Teil 2

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