Das Wunder der Kommunikation

Birds do it, bees do it
Even educated fleas do it
Let’s do it, let’s …

…communicate 😉

Auch wenn der wunderschöne Song von Ella Fitzgerald Pate für die obigen Zeilen war, geht es dieses Mal nicht um Liebe, sondern eine Fähigkeit, die wir Menschen im Vergleich zu unseren animalischen Vorfahren perfektioniert haben – Die Kommunikation.

Als Hunde- und Naturliebhaber sehe ich täglich, mit wie kleinen Nuancen des Blicks, Anspannung der Lefzen, Körperhaltung und vieles mehr Hunde Kommunizieren. Auch Vögel, Rehe und alle anderen beherrschen es und es scheint jedem Tier völlig klar zu sein, wie es sein Anliegen kommuniziert.

Nur wir Menschen sind ein Opfer unserer Perfektion und wir scheinen im Laufe der Zeit unsere Kommunikation nicht nur extrem perfektioniert zu haben, sondern auch zeitgleich verlernt zu haben uns zu lesen und zu verstehen.

Woran liegt es, dass normale Gespräche urplötzlich in eine völlig falsche Richtung abdriften und eskalieren?

Eine „klassische“, natürlich fiktive Situation: Weil es mir aufgefallen ist und ich meine Emotionen mitteilen möchte, sage ich meiner Frau, dass sie heute umwerfend aussieht und mir ihr Outfit sehr gefällt. Sie sieht mich an, und ich sehe ein Gewitter auf mich zukommen. „WAS, Soll DAS denn heißen? Wie sehe ich denn sonst aus, dass Du DAS hier nun plötzlich toll findest?“ … und es geht los… 😉   (mehr dazu weiter unten)

Sicher ein altes, langweiliges Beispiel, aber ganz typisch. Unsere Kommunikation ist teils völlig verdreht, da sie verbal, nonverbal, ehrlich, allerdings nur perspektivisch ehrlich und vor allem emotional durch unsere kürzere oder auch weit zurückliegende Vergangenheit bestimmt wird. So kann sich ein relativ kleines Trauma in jungen Jahren im Laufe der Zeit dramatisch potenzieren.

Wie können wir uns richtig verstehen?

Wir brauchen eine gemeinsame Basis und vor allem sollten wir wissen, was wir tun.

Mit 5 Grundregeln der Kommunikation, können wir dafür sorgen, dass unser Anliegen Gehör und Beachtung findet. Hierfür müssen wir uns darüber im Klaren sein, unter welchen Umständen wir welche Information an wen transportieren wollen.

  1. Was möchte ich mitteilen?
  2. Wem möchte ich etwas mitteilen?
  3. Wann ist die Zeit für diese Nachricht richtig?
  4. Hat der Empfänger eine ähnliche Perspektive wie ich (Kommunikationsperspektive)?
  5. Ist eine direkte Kommunikation möglich oder eine mehrstufige Kommunikationslinie sinnvoll (Sicker- oder Stufenkommunikation)

Doch bevor ich auf die obigen Punkte eingehe hier ein paar Regeln, die meine Oma mich gelehrt hat:

a.) Rede nur, wenn Du etwas zu sagen hast
b.) Rede mit der Person, der Du etwas zu sagen hast.
c.) Rechne mit einer unerwarteten Antwort.

Früher habe ich gedacht: „Lass sie reden…“, aber mit diesen drei „Weisheiten“ hat sie mehr oder weniger bewusst drei wichtig Kommunikationsprobleme auf den Punkt gebracht, die mir im Alltag immer wieder unterkommen.

Zu a.) brauche ich glaube ich nicht viel sagen. Viele Mitmenschen sollten intensiv darüber nachdenken. Es ist irgendetwas zwischen anstrengend und ärgerlich, wenn jemand, der sich gern reden hört uns die Zeit stiehlt.

b.) Ist sehr interessant und würde uns viel unnötiges BlaBla ersparen. Allerdings auch deutliche Echos einbringen. Ich kriege immer wieder mit, wie Menschen sich über Arbeitskollegen, Mitmenschen oder Situationen beschweren, aber nicht die Person ansprechen, sondern eine andere Person „des Vertrauens“, die aber eigentlich weder etwas damit zu tun hat, noch etwas darüber hören will. Um seine Ruhe zu haben antwortet man in der Regel mit einer defensiv-ausweichenden Bestätigung und ergreift die nächste Gelegenheit um sich der Situation zu entziehen.

C.) tut weh 🙂 Aber ich sollte vorher wissen, dass meine Nachricht oder Meinung nicht unbedingt bei jedem gut ankommt beziehungsweise ich auf geteilte Meinung treffe. Also bin ich mir in der Regel nicht nur meiner Meinung oder meiner Nachricht an mein Gegenüber bewusst, sondern habe auch eine ungefähre Ahnung, was ich für ein Echo zu erwarten habe. Im Idealfall habe ich mich auf das Gespräch vorbereitet, indem ich verschiedene Kommunikationsstränge, Für und Wider durchdacht habe und schaffe es auf eine Antwort, die ich nicht erhalten wollte souverän und konstruktiv-gelassen zu reagieren.

Zurück zu den 5 Punkten.

Kann man so etwas Komplexes wie Kommunikation in 5 Punkte pressen?
Natürlich nicht. Allein die Themen Gestik und Mimik füllen nicht nur Bände, sondern können auch noch so gut vorbereitete und zielgerichtete Kommunikation ins“ Straucheln“ bringen.

Kommunikation ist ein Gesamtpaket.

Punkt 1- 3: Wenn ich genau weiß, was ich besprechen möchte und es schaffe der richtigen Person zum passenden oder gar idealen Zeitpunkt mit meinen Worten zu erreichen habe ich gute Vorarbeit geleistet.

Punkt 4: Natürlich kann ich nicht mit jedem auf die gleiche Art und Weise reden. Durch die Historie und Prägung jedes Gesprächspartners, ist Kommunikation allein schon dadurch eine Gratwanderung.
Wenn man dann noch unterschiedliche soziale wie kommunikative Ausprägungen sowie unterschiedliche Bildungsniveaus berücksichtigt, ist es fast ein Wunder, wenn ich bei meinem Gegenüber nicht anecke.
Durch die richtige Wortwahl und Art des Gespräches auf Augenhöhe kann ich aber durchaus Gehör finden.

Punkt 5: Jetzt muss ich entscheiden können, ob ich das Thema offen und sofort ganz ausbreiten kann, oder meine Kommunikationswelle mein Gegenüber überrollt und überfordert. Insbesondere bei komplexeren oder heikleren Themen ist es häufig sehr wirkungsvoll mein Gegenüber durch Teilinformationen Schritt für Schritt vorzubereiten (Stufenkommunikation).
Punkt 5a: Die beste Entscheidung und die Beste Idee hatte man selbst.
Mit sehr viel Feingefühl kann ich dadurch, dass ich nicht meine Intention, sondern meine Fragen und Gedanken geschickt platziere dafür sorgen, dass mein Gesprächspartner selbst auf die Lösung oder Idee kommt. Ich streue während des Gespräches ein paar Fragen und kann durch Schildern von Situationen, die zum Thema passen meinen Gesprächspartner dazu bringen die Thematik quasi aus meiner Sicht zu überdenken. Dafür muss man sich natürlich sehr gut kennen.
Nach und nach sickern dann im besten Falle die richtigen Ideen durch meinen Gesprächspartner in unsere Kommunikation ein – Volltreffer, denn dann brauche ich nur noch bewundernd zu zustimmen.

 

O.k., zugegeben ist das alles sehr konstruiert und letztlich kann es nur funktionieren, wenn dann auch noch meine Mimik und Körpersprache (separates Thema) meine verbalen Aussagen unterstreichen. Aber je mehr wir uns mithilfe der 5 Punkte und dem A-B-C meiner Oma auf Gespräche vorbereiten, desto glatter kann unser nächstes wichtiges Gespräch ausgehen.

 

Zum obigen Beispiel: Natürlich ist es völlig überzogen. Und bei allen obigen Ausführungen habe ich die Betonung ja noch nicht berücksichtigt. Doch selbst so eine grund-positive Aussage kann in der Realität eine völlig unerwartete Reaktion hervorrufen. Wenn jemand sich gerade situativ sehr unwohl fühlt, die Haare widerspenstig waren, das Kleid auch schon mal besser gesessen hat und drüben am Buffet die verhasste Ex steht und sich profiliert, kann so ein lieb gemeinter Spruch wirklich so eine Situation hervorrufen…

Wow, ich habe die 1.000 Zeichengrenze gebrochen. Sorry, aber ich hätte ein ganzes Buch drüber schreiben können. Ich hoffe diese „relativ“ kurzen Gedanken haben Dich vielleicht etwas ansprechen und sensibilisieren können. Ich liebe Kommunikation! Früher war ich häufig überrascht ob der Gesprächsverläufe, heute auch noch 🙂 Aber viel häufiger positiv.

Danke für Deine Zeit!

Patrick

PS: Danke an MonikaP für die Badeenten 🙂

 

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20 Gedanken zu “Das Wunder der Kommunikation

  1. elisabethsgeschichte

    Lieber Patrick, deine niedlichen Badeenten passen sehr gut zum Thema☺️ Man kann sprichwörtlich baden gehen, wenn ein Gespräch schief geht.
    Ein interessantes Thema ist das! Deine „Gebrauchsanweisung“ finde ich top und gut überlegt – man kann ihr gut folgen.
    Was mir als erstes einfällt, du hast es schon als separates Thema erwähnt, ist die Mimik und Gestik, die ein Gespräch braucht. Das ist eine Sache, die mich gerade selbst betrifft. Unser Sohn, 30 Jahre alt, liebt es iMessages zu schreiben. Es macht mich jedes Mal wahnsinnig, wenn es dabei um etwas Wichtiges geht. Es ist viel einfacher, persönlicher und es passieren weniger Mißverständnisse, wenn man sich von Angesicht zu Angesicht darüber unterhält. Klar kann er nicht jedesmal von München aus dann gleich zu uns nach Niederbayern fahren. Aber dann sollte er wenigstens anrufen, aber nein, Sohnemann schreibt lieber. Da er oft sehr lange arbeitet, im Meeting oder bei der Telko sitzt, möchte ich auch nicht bei ihm in der Arbeit anrufen. Aber durch diese doofe Schreiberei können oft harmlos gemeinte Sätze ins Verkehrte geraten. Emojis hin- und herschicken finde ich schon lieb, aber ihm über den Gesundheitszustand von Oma zu berichten, ging schon mal schief.
    Deshalb ist es für mich total wichtig, meinem Gesprächspartner gegenüberzustehen, alles andere findet sich mit Beachtung deiner Ratschläge und mit ein wenig Empathie dann schon😊
    LG Elisabeth

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    1. Liebe Elisabeth,
      da beschäftigt Dich in der Tat ein allgegenwärtiges, heikles Thema.
      Da wir immer mehr in Kurzsprech und Emojies kommunizieren, verkompliziert sich alles.

      Davon ab, dass noch nicht mal die Stimmlage und Betonung unsere Kommunikation am Telefon trägt, fehlen ja auch noch Gestik und Mimik.

      Und wie „Flowermaid“ gerade mit einbrachte ist dann ja auch noch die Gegenseite. Dort muss der Wille „richtig“ zu kommunizieren und die Fähigkeit zu zuhören und zu verstehen vorhanden sein.

      Es grenzt fast an ein Wunder, dass wir uns trotzdem nicht alle in den Haaren liegen.

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      1. elisabethsgeschichte

        Ja, da hat „Flowermaid“ voll recht. Wenn der andere Gesprächspartner nicht will oder gerade nicht erpicht auf ein Gespräch ist, erschwert es das Ganze auch noch enorm.

        Wie du sagst, es wundert einen schon, daß es nicht noch mehr zu Tode Gekränkte, Mißverstandene, Enttäuschte, Verärgerte etc. gibt🙂 Sicher gehen viele zerbrochene Freundschaften, beendete Beziehungen, mißlungene Geschäfte usw. auf das Konto fehlgeschlagener Kommunikation.

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  2. Ein schier unerschöpfliches Thema, das Du hier in Kürze auf den Punkt gebracht hast. Und ich hab schon sehr viel darüber gelesen. Thorsten Havener hat so einige sehr lesenswerte Bücher dazu herausgebracht.
    Was ich immer wieder beobachte: es gibt mehr Sender als Empfänger. Wirklich bewußt und aktiv zuzuhören, sich auf sein Gegenüber einzulassen im Gespräch, das erlebt man sehr selten. Das läuft bei Tieren anders. Da ist Kommunikation eine sehr spannend zu beobachtende Interaktion.

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    1. Also ich zeige meinen Gästen grundsätzlich erstmal, wo das Klo ist 😉 .

      Und ja, wenn ich für mich ein Ziel definiert habe, sind die Regeln des Posts hilfreich. Da gibt es nur eine Sache: Frauen kommunizieren oft, um in Kontakt zu bleiben. Also kurz „reden um zu reden“. Weil sie dadurch den Bindung zum Gegenüber aufrecht erhalten und vertiefen. Kommunikation als zwischenmenschlicher Bindungs-Kleister. Und das machen wir wohl angeblich schon seit der Steinzeit so 😉

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