Allein

Sie saß auf den Stufen vor ihrem Haus – wie bestellt und nicht abgeholt. Wie lange war es her? Es mussten 12 Jahre gewesen sein, denn seit 11 Jahren war sie nun mit ihrem Mann verheiratet und sie hatte ihn auf der Hochzeit ihres Cousins kennen gelernt, auf der sie die Brautjungfer war.

Anfangs war alles ein Traum. Ihre Hochzeit war perfekt – fast etwas zu perfekt – sie hätte sich etwas weniger Prunk und Selbstdarstellung, dafür mehr persönliches gewünscht. Dann zogen sie in das neue Haus und sie wurde schwanger. Sie hatte die große Liebe gefunden, dachte sie.

Dann hatte sie bald jedoch erstmals Zweifel gehabt und sich gefragt, was ihr fehlte.
Als hätte ihr Mann ihre Gedanken gelesen, warf er ihr genau das immer wieder vor.

Kennst Du das Gefühl? Man weiß genau, man hat etwas vergessen und kommt nicht drauf was? Oder beim Kochen, wenn man sicher ist genau nach Rezept gekocht zu haben und doch irgendetwas fehlt.

Sicher, ihr Mann wahr wieder viel zu lange geschäftlich unterwegs. So häufig konnte man gar keine Geschäftsreisen haben; und dann anschließend diese Handyaktivitäten, die dann nach und nach abflauten…

Das alles war ihr plötzlich alles egal!

Nach 11 Jahren war es ihr schlagartig klar. Er (ggf. Link klicken, um zu erfahren, wer er ist) war die ganze Zeit da gewesen. Ein Gedanke, den sie unbewusst verdrängt hatte, ein Traum, den sie für einen Abend gelebt hatte. Ein Abend (Was für ein besonderer Abend es war, kannst Du hier lesen); und es hätte ein Leben sein können. Kann man jemanden vermissen, den man nie richtig kennen lernen konnte? Kann man jemanden lieben, mit dem man – abgesehen von einem traumhaften Abend – kein echtes Leben gelebt, sondern nur geschrieben hatte?

Wenn man so etwas nach so vielen Jahren immer noch fühlt, kann es dann die Wahre Liebe zu Ihrem Mann sein, die sie sich immer vorgemacht hatte?

Allein saß sie nun vor ihrem Haus. Ihr Puls schlug ihr so heftig gegen die Schläfen, als würde er sie wach hämmern wollen. Doch sie war wach, sie war voller Energie und das Adrenalin ließ ihren ganzen Körper pulsieren.

Es war verrückt! Sie hatte weder eine Adresse noch Telefonnummer von ihm, aber sie würde ihn schon finden! Als erstes würde sie in dem Hotel von damals einchecken und dann wieder in das Restaurant fahren, in dem sie sich damals getroffen hatten.

Entschlossen alles hinter sich zu lassen stieg sie in das Taxi „Bitte nach New York, zum Lessing Hotel“.

Allein, frei und überglücklich fuhr sie ihrem Leben entgegen; dem Leben, das sie, ohne es zu wissen, so sehr vermisst hatte.

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12 Gedanken zu “Allein

      1. Elisabeth Berger

        Es ist prima, daß du die Links beigefügt hast, so konnte man sich noch besser reinfühlen! Obwohl ich den Auszug alleine eben auch sehr schön finde🙂

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      2. Patrick H.

        Danke Elisabeth, auch wenn es nur kurze Szenen sind und alleine stehen, gibt es ja doch irgendwie eine Verbindung..
        Ob die beiden wohl noch zueinander finden? 🙂
        Aber Liebe ist schön! Darum dreht sich ja vieles 😉

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      3. Elisabeth Berger

        Ja, lieber Patrick, ich hoffe sehr, daß die beiden noch zueinander finden😃 Aber da möchte ich mich noch von deinen nächsten Sequenzen überraschen lassen😊

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    1. Patrick H.

      Dankeschön! Ich hätte da noch viele Szenen und vielleicht sogar eine Timeline im Kopf. Aber die Welt hat so viele Hervorragende Autoren. Mich braucht sie sicher nicht. 🙂

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