2 Wochen Glück

Vor zwei Wochen haben wir vom Tierschutzhof Geißblatt unser neues Rudelmitglied „Pelle“ abgeholt um ihm bei uns im Rudel eine zweite Chance zu geben.

Die Zeit verging seitdem im Flug und meine Frau und ich schauten uns vorhin fast ungläubig an, dass es bereits so lange her ist.

Pelle ist 1 1/4 Jahr alt und hat ein bewegtes Leben hinter sich. Die ersten 6 Monate war er angekettet und wurde von einem Tierarzt sichergestellt. Die Eisenkette war im Hals verwachsen und musste in einer schweren Operation entfernt werden. Mir steigen immer noch die Tränen in die Augen, wenn ich daran denke. Da ich meinen Blog nicht als Boulevardzeitung sehe, verzichte ich hier auf die Veröffentlichung von Bildern vor der OP.

Nachdem die Wunden gut verheilt waren gab der Tierarzt, der ihn bis dahin bei sich zuhause aufgenommen hatte, ihn über eine Freundin an den Tierschutzhof. Der kleine lebte dort sehr auf und wurde von den Pflegern als Tüte voller Mücken beschrieben. Ein junger Hund steckt ja immer voller Energie, aber hier hat offenbar jemand Nachholbedarf.

Unser erster Hund im Rudel „Fibi“ war, als sie merkte, dass Pelle nicht nur zu besuch ist, sichtlich genervt. Dabei war sie einer der Hauptgründe für einen Zweithund. Fibi stammt aus einem tragischen Animal-Hoarding-Fall aus Dezember 2014. Damals wurden 47 Hunde sicher gestellt, von denen einige so unterernährt waren, dass sie es leider nicht geschafft haben. Folglich ist Fibi in einem großen Rudel aufgewachsen, und war zumindest hündisch perfekt sozialisiert.

Wir haben immer wieder gemerkt, wie sie in Gesellschaft von anderen Hunden aufblühte und dass die uns häufig wie einen anderen Hund behandelte und mit uns spielen und toben wollte. Und nun ist da dieses Hundeding. Klein, schwarz, wenig Mimik m Vergleich zu ihr und hüpft ständig um sie herum und testet Grenzen aus…

Natürlich haben die Beiden auch mal gespielt, doch Fibis ganzes Leben war auf den Kopf gestellt. Nach einer Woche hatte Pelle gelernt, dass man gewisse Geschäfte draußen macht und Fibi hörte auch langsam auf, zu versuchen ihm freie Bewegung in ihrem Terrain zu untersagen – was bei diesem Wirbelwind eh ein hoffnungsloses Unterfangen war.

Es kehrte etwas Ruhe ein. Auch die Katze wurde allmählich uninteressant, solange sie sich nicht schnell bewegte.

Heute, nach zwei Wochen, kommt Pelle meistens, wenn man ihn ruft. Sogar Apportieren und sitzen funktioniert schon, wenn er nicht zu überdreht ist. Er ist sehr darauf bedacht, den Sichtkontakt zu uns nicht zu verlieren, was wir durch Belohnung in Form von Aktion oder Leckerli fördern. Alles in allem haben sich unsere Befürchtungen, dass er durch seine frühe Isolation Probleme hat zu lernen nicht bewahrheitet. In unkritischen Gefilden lassen wir die Schleppleine auch schon mal los.

Alles in allem waren die vergangenen zwei Wochen insbesondere bei meiner Frau (ich arbeite wochentags) sehr kräftezehrend. Aber durch viele kleine Erfolgserlebnisse war es nicht frustrierend, sondern anstrengend mit kleinen Glücksmomenten.

Auch Fibi geht es offenbar ähnlich, denn die beiden spielen und toben ganz süß, und mittlerweile schafft sie es, wenn sie müde ist, einfach in ihre Hundebox zu gehen und den kleinen Quirl einfach Quirl sein zu lassen.

Wir freuen uns auf die kommende Zeit, und hoffen, dass alles so gut weiter läuft, wie bisher.

Willkommen lieber Pelle! Nun gehörst Du zu uns!

 

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26 Gedanken zu “2 Wochen Glück

  1. Einfach nur schön zu lesen 🙂 Die ersten Wochen sind immer aufregend, anstrengend.. und doch möchte man sie nicht missen 🙂

    Nach den ersten zwei Wochen mit Kayla hab ich gesagt, wenn das so weiter geht, bring ich sie persönlich zurück auf ihre Pflegestelle 😉 Diego war am Anfang auch genervt, aber nur, wenn sie ihm beim Schlummern zu sehr auf die Pelle gerückt ist. Da ist sie völlig schmerzfrei. Ansonsten waren die beiden einfach furchtbar überdreht, drinnen wie draußen. Das hat Nerven gekostet. Sie hat auch viel länger als Pelle gebraucht um stubenrein zu werden 😉

    Ich wünsch Euch weiterhin eine tolle Zeit zusammen ❤

    Liebe Grüße, Frauke

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      1. Bei Diego hat das damals auch wunderbar so funktioniert. Ich war rund um die Uhr tagsüber alle zwei Stunden, nachts alle drei bis vier mit ihm kurz draußen. Kayla zählt leider zu den Hunden die draußen erst mal gar nix gemacht haben. Dann hat sie draußen zwar was gemacht, oft auch zwei Häufchen und kaum drinnen, ging s auf dem Teppich weiter 😉 Einmal sogar ins Wasserbett und auf die Couch gepinkelt 😀

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  2. Wow zwei bewegende und traurige Hunde Geschichten! Und ich finde es total toll das ihr zwei solche „tragischen“ Fälle bei euch aufgenommen habt und ihr Ihnen ein schönes neues Zuhause und ein neues Leben gebt! Das verdient großen Respekt!!! Denn oft ist es ja leider so, wie du schon sagtest lieber Patrick, dass solche Hunde sagen wir einen „Knacks“ weg haben können. Doch ich glaube egal welche schlimmen Erfahrungen ein Hund auch gemacht hat, mit viel Liebe und Fürsorge erblüht er auf und wird es euch auf ewig danken. ❤ Und das es zwischen Fibi und Pelle am Anfang zu Reibereien kam ist nur natürlich, aber im Laufe der Zeit werden sie miteinander auskommen. 😉 Mein Scotty ist aber bereits 6 und kleiner als euer Pelle, deshalb können sie leider nicht verwandt sein. 😂 Aber vom verhalten sind die zwei definitiv ähnlich. Immer Hummeln im Hintern und neugierig. 😊

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    1. Patrick H.

      Eigentlich schöne Geschichten, denn sie haben ja ein Happy End 🙂 Natürlich merkt man bei beiden, dass sie so ihre Erfahrungen haben, aber da gehen wir dann entsprechend mit um. Da meine Frau Hundetrainerin war, sind wir da gut gewappnet. Allein wäre ich sicher völlig überfordert und würde einiges völlig falsch machen…
      Heute gibt es den ersten längeren Ausflug mit dem Auto. Ich bin gespannt!
      Liebe Grüße Patrick

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      1. Na ein schönes happy End für die zwei. 👍😊 Und das natürlich ein Pluspunkt, dass deine Frau sich sehr gut mit Hunden uns ihrem Verhalten auskennt. 👌😉 Na dann hoffentlich läuft alles gut bei der Autofahrt. Mein Scotty hasst und liebt Autofahrern! 😅 Er liebt es wenn wir uns bewegen, aber hasst es sich nicht bewegen zu können, da er ja immer vorschriftsmäßig angeschnallt ist. 🙈😂 Und dann fiept er uns die Ohren voll. 😅

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      2. Patrick H.

        Autofahren ist immer eine Gratwanderung zwischen Wohlfühlzone und Sicherheit. Wir haben uns für zwei Hundeboxen entschieden. Da gibt es-wenn auch begrenzt Platz und trotzdem etwas Sicherheit.

        Seit Pelle haben wir zwei Boxen, die wir nun miteinander verbunden haben(mit Durchgang). Das bringe je Hund nicht mehr Platz, sorgt aber für einen gefühlt größeren Raum.
        Die Hunde stehen drauf 🙂

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  3. Pingback: 2 Wochen Glück — www.isso.blog – Ökonomie2040

  4. elisabethsgeschichte

    Interessant, was du vom kleinen Quirl und Fibi berichtest😊
    Es ist so schön, daß es der Kleine jetzt so gut hat! Aber es ist zum Weinen, wenn ich mir vorstelle, daß irgendein Volldepp das Hündchen schon als Welpe an die Kette gelegt hat😢 Allein bei diesem Gedanken habe ich enorm böse Rachegelüste!
    Es ist total lieb, daß ihr ihn, wie Fibi, aus dem Tierschutz adoptiert habt und er mit euch und Fibi glücklich sein darf und so leben, wie er es verdient hat❤️
    LG Elisabeth Berger

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    1. Patrick H.

      Ich habe mir die Fotos von der eingewachsenen Kette auch erst angeschaut, als er bereits bei uns war. Ich wollte mich dadurch nicht beeinflussen lassen. Sowas schreckliches -FSK18…

      Heute war er mit bei unserer Familie und hat schön Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten eingefordert 😎🐶

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      1. elisabethsgeschichte

        Gell, man kann sich so Abscheulichkeiten kaum ansehen, ohne zu weinen und zu denken, daß das „jemand“ verursacht hat, der sich Mensch nennt.

        Oh, da ist es ihm ja besonders gut gegangen, wenn er mitten unter der ganzen Familie war☺️ Es ist jedesmal so lustig, wenn man sieht, wie die Hundis hemmungslos bei jedem alles einfordern, was er zu geben hat😊 Egal ob Streicheleinheiten oder Fressi, alles ist recht❤️ Es ist schon direkt peinlich, wenn unser Flipsi die ganze Familie abgrast um dann wieder von vorne anzufangen. Aber Hauptsache, die alte Nase ist glücklich – die Familie auch😊

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      1. Patrick H.

        ….hat er! Jeden Grashalm, jede unachtsam weggeworfene Kippe, einfach JEDEN 😂
        Pelle war definitiv vorher noch nie in einer Stadt. Zwei Tage hat er bereits wacker durchgehalten. Aber auch er wird irgendwann Hamburg lieben 😉
        Nächste Woche geht es an die Außenalster und dann zu den PET Shop Boys bei der Langen Reihe…. den Laden wird er lieben 🙂

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  5. Der arme kleine Kerl, was er alles in seinem jungen Leben erdulden musste. Ich freue mich so, dass er nun ein schönes Zuhause bei Euch bekommen hat. Ihr werdet ihm helfen, damit auch seine Seele heilt! ❤
    Es ist immer stressig, wenn ein neues Tier in ein bestehendes Rudel kommt. Hund und Katze sind auch ein Rudel. Die ganze Rangordnung gerät durch einander. Es dauert einige Zeit, bis sich eine neue Ordnung einstellt. Bei Euch läuft es jetzt schon von Tag zu Tag besser. 😀
    LG Susanne

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    1. Patrick H.

      Ja, danke. So etwas heilt ja leider nie richtig. Er ist eindeutig auch geschlagen worden. Bei gewissen Bewegungen erschreckt es sich stark und weicht voller Angst zurück.
      Aber wenn man drum weiß, vermeidet man derartige Situationen halt.
      .Es wird schon schön werden 🙂

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    1. Patrick H.

      Dankeschön! Er macht sich wirklich gut. Sowohl das Zusammenspiel mit unserer Fibi, als auch seine sonstige sozialisierung gehen mit Riesenschritten voran. Er war sogar schon zwei mal mit in Hamburg zur Arbeit – ok da hatte er einen kleinen Kulturschock, aber da ich seine Box mit hatte konnte er die inaktive Zeit in gewohnter Umgebung verbringen 🙂

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    1. Patrick H.

      Vielen Dank Heike. Wir sind froh, dass wir nun schon zwei armen Seelen helfen konnten. Und die wenigen – sagen wir mal- schrulligen Verhaltensmuster durch die Prägung in der schlechten Zeit kann man durch das Wissen drum mit einem Lächeln behandeln 🙂
      Liebe Grüße aus Hamburg
      Patrick

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  6. Pingback: Wer hilft den Kranken und Alten? – www.isso.blog

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