Sucht nach Selbstzerstörung

Was für eine dramatische Überschrift…  Leider leiden offenbar viele Menschen an diesem Drang, doch woher kommt es?

Es liegt mir fern hier Weltschmerz zu posten oder zu dramatisieren, aber hier ein paar Gedanken zum Ausgangspunkt:

  1. Wir rauchen, selbst wenn der beste Freund gerade an Krebs qualvoll zugrunde geht.
  2. Wir stopfen Unmengen ungesundes  Essen in uns rein und hören nicht auf, wenn wir merken, wie der Körper diese Last nach und nach nicht mehr tragen kann.
  3. Wir legen aber größten Wert auf den billigsten Strom (dank Vergleichsportal), bei dem klar ist, dass er nicht ressourcenschonend gewonnen wird, sondern durch billigen Atomstrom aus dem Ausland finanziert wird und wir unsere Lebensgrundlage dadurch zerstören.
  4. Wir holen uns morgens schon an der Tanke oder am Bahnhofskiosk den ersten Flachmann.
  5. Wir verpesten die Umwelt und forcieren die Klimakatastrophe
  6. Wir verfeinden uns mit unseren Nachbarn (lokal und International) und Geschäftspartner bis aufs Blut und bekriegen uns.
  7. Wir arbeiten so viel, dass wir nicht dazu kommen, unser Leben zu leben…

So, nun habe ich alles in einen Topf geworfen. Doch worauf ich hinaus will, ist ganz einfach.

Diese Liste kann ich fast beliebig fortsetzen. Ich frage mich häufig, warum wir es nicht schaffen mit uns und unseren Mitmenschen und der Natur so umzugehen, dass alle eine Chance haben.

Natürlich gibt es für jeden dieser Punkte eine psychologische Erklärung. Diese ist mir jedoch relativ schnuppe. Es geht mir um das Bild, das sich ergibt, wenn man sich die obigen sieben Beispiele ansieht.

Besonders spannend wird es, wenn man auch noch die zeitliche Dimension hinzunimmt (siehe auch Artikel „Die Normalitätstheorie„). Wie steht es heute um diese Punkte und was hat sich in der Zeit, die wir auf dieser Erde mehr oder weniger in einer Zivilisation leben.

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Mir stellt sich die Frage, wie kommt es, dass wir in den tausenden und hunderten von Jahren so viel erfunden und geschafft haben, aber bei den Grundproblemen Aggression, Sucht und Egomanie keinerlei Fortschritte gemacht zu haben scheinen.

Wenn im Mittelalter die feinen Herren nach jahrelanger überschwänglicher Völlerei an den Folgen des Bluthochdruckes starben oder unter der Gicht litten, ging es ihnen nicht viel besser, als denen, die heutzutage ihre Seele mit Völlerei betäuben um zu vergessen und einen Schutzpanzer aufzubauen. Wenn ganze Völker dahingemezelt wurden oder Frauen als Hexen verbrannt wurden, weil sie anders waren als die von uns empfundene Normalität.

Wenn dem Nachbarn der Krieg erklärt wird, weil er seine Mülltonne zu weit auf der Straße stehen hat und ja sowieso tut, was er will, ist es eventuell nur deshalb so „normal“, weil es schon immer so war, dass wir unser Denken und Verständnis auch über unsere Grenzen hinaus als normal und verpflichtend angesehen haben. Hier spare ich mir Beispiele, denn für Krieg, Mord und Totschlag brauchen wir nur die Nachrichten einschalten.

Ein Plädoyer für ein besseres Miteinander erspare ich uns in Hinsicht auf das, was diese Gedanken aussagen: „Isso – Das war leider schon immer so – oder?“.

Mich beschäftigt dieses Thema schon sehr lange und ich habe in einem meiner diversen Selbstversuche auf die verschiedenen zerstörerischen Verhaltensweise geachtet und versucht herauszufinden:

  • Warum kriegen wir das nicht besser hin?
  • Was kann ich für mich persönlich besser machen?

Ich glaube das Verlangen uns darzustellen und unsere Ansichten durchzusetzen ist tief in unserem Instinkt verankert. Seitdem wir uns vom Beutetier zum Menschen entwickelt haben waren wir immer kriegerisch, territorial und repressiv. So wie ein Hund in der Dämmerung, wenn es Zeit ist das Wild zu jagen, unruhig wird, brodelt es unter der Oberfläche unserer Zivilisation ebenso gewaltig.

Und auch wenn ich meine Heizung mittlerweile per Smart-Home mehr oder weniger unter Kontrolle habe, holt mich meine Vergangenheit ein, wenn es darum geht, dass ich mich eingeengt fühle, oder jemand sich entgegen meiner Überzeugung verhält – beispielsweise seine Mülltonne nicht auf den Gehweg, sondern auf die Straße stellt. Pow – bricht der Mensch aus mir hervor. DER Mensch, der das Sagen hatte und andere unter sich hatte und dem es, oder DER Mensch, der schnell kuschte und sich seine Sorgen in sich hineingefressen, oder getrunken hatte. DER Mensch, der versuchte durch persönlichen Einsatz in der Hierarchie heraufzusteigen. Letztlich ging und geht es immer darum eine Position zu schaffen, die einem gerecht wird, oder sich ein Gerüst zu bauen, mit dem man sich sein Umfeld rechtfertigen kann.

Können wir etwas daran ändern? Ich bin machtlos, wenn es um das Ganze geht. Soweit ist es nicht überraschend. Je mehr mitmachen, desto besser kann es werden – auch nicht überraschend.

Für mich bin ich zu dem Entschluss gekommen mich heraus zu ziehen (ok, ich arbeite noch dran). Alles hat mit der Interaktion, dem Transfer von Meinungen und Erwartungen zu tun. Der stete Vergleich zwischen dem Jetzt und dem Ziel, zwischen mir und dem Nachbarn vergisst eins – MICH.*

Ich bin jetzt und hier. Und ich muss mit mir und meinen Ressourcen klarkommen. Meine Ziele sind meine Sache und wenn ich sie erreichen will, dann sollte ich sie nicht anderen gegenüber durchsetzen wollen, sondern aus eigener Kraft und nicht zu Lasten anderer erreichen.

Wenn mein Nachbar das Bedürfnis hat mit einem Vogelnest auf dem Kopf herumzulaufen werde ich mich sicher zurückhalten müssen um nicht in Gelächter auszubrechen, ich werde ihn aber nicht überzeugen, dass es besser ist, einen Hut, Turban oder eine Burka zu tragen.

Fazit: Mit dem Fokus auf uns und unsere Belange lebt es sich ein ganzes Stück gesünder und besser miteinander – aus uns heraus. Der Druck wird herausgenommen und wir neigen vielleicht etwas weniger dazu uns selbst zu zerstören.

Ich freue mich, diesen Gedanken weiter zu verfolgen und wenn ich neue Erkenntisse hierzu habe, gibt es einen Teil 2. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir durch Eure Gedanken zu diesem für mich zentralen Thema helfen würdet!

Ich danke Euch!
Patrick

PS: Ich habe die meisten der obigen Gedanken nur stilisiert, damit der Artikel ein erträgliches Maß an Zeilen und somit Gehör hat. Ich hoffe, ich habe euch trotzdem erreicht und ihr könnt mir wenigstens ansatzweise folgen.
*„Hectors Reise“ – Zitat: Vergleiche anzustellen ist ein gutes Mittel, sich sein Glück zu vermiesen. 
Das Bild der Kindersoldaten stammt von Pixabay
Das Bild mit der Höhlenmalerei stammt ebenfalls von Pixabay.
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23 Gedanken zu “Sucht nach Selbstzerstörung

  1. „Am Anfang war Erziehung“ von A. Miller galte ich noch immer für eines der besten Erklärmodelle für die menschliche (Selbst-)Destruktivität, das aber zum gleichen Ergebnis führt, wie du es skizzierst.
    Und entscheidender als die Theorie ist was wir tun.

    Gefällt 3 Personen

  2. Wenn Du ein Bücherwurm bist, hier noch zwei weitere Vorschläge in Ergänzung zu A. Miller:
    Jared Diamond: „Der dritte Schimpanse“ (eher die evolutionsorientierte Sicht) und „Warum Gesellschaften überleben oder untergehen“ (eher die gesellschaftsentwicklungsorientierte Sicht).
    Wir sollten trotz allem nicht den Optimismus und die Hoffnung verlieren.

    Gefällt 1 Person

  3. Mein Credo: Lebe und behandle dein Umfeld so, wie du selbst behandelt bzw. wahrgenommen werden willst. Dabei stosse ich täglich an meine Grenzen. Menschen projizieren, ohne darüber Nachzudenken ihre Probleme, ihre schlechte Laune und vor allem ihre Achtlosigkeit auf andere. Solange das der Fall ist, sehe ich kaum Hoffnung bzw. Licht am Horizont eines friedlichen Miteinanders. – Ich hatte gestern nachmittag eine nette Begegnung mit einem älteren Herrn in einem Café. Auch dieses Thema kam auf den Tisch. Er erzählte mir daraufhin folgenden „Witz“: Treffen sich zwei Planeten im Weltall. Sagt der eine zum anderen: „Was ist denn mit dir los, du siehst gar nicht gut aus!?“. Erwidert der andere: „Ach, ich hab Homo Sapiens…“ „Ach“, sagt der andere, „mach dir keine Sorgen. Auch das geht vorüber.“

    Gefällt 2 Personen

    1. Patrick H.

      Na super, „das geht vorüber“. Aber lass und solange einfach etwas achtsamer mit uns und unseren noch- Mitmenschen umgehen 😀
      Ich danke Dir für Dein Feedback!

      Gefällt mir

  4. Ich sehe das ganze „buddhistisch“ und versuche meine Mitmenschen so zu behandeln wie auch ich behandelt werden möchte. Was aber nicht heißt, dass man sich deswegen alles gefallen lassen muss 😉

    Zweite Sache – man kann andere nicht ändern. Aber sich selbst. Und als gutes Beispiel voran gehen.

    Dritte Sache – niemand muss ALLES richtig machen oder sich an alles halten. Aber würde jeder ein wenig mehr Achtung vor seinen Mitmenschen und der Umwelt haben und sich dementsprechend verhalten, wäre die Welt ein besserer Ort. Ergo – Jeder kann etwas tun und wird seinen Weg dafür finden 🙂

    Liebe Grüße

    Gefällt 3 Personen

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