Das erste Date

Es war das Restaurant am Platze und als ihr Wagen vorfuhr und sie ausstieg gehörte der Moment ganz ihr. Der Chauffeur reichte ihr die Hand, sie schaffte es sich in ihrem Etuikleid aus dem Wagen zu schälen und stand nun auf dem Gehsteig vor dem Restaurant.

Sie strahlte diese Mischung aus Stärke und weiblicher Sinnlichkeit aus, die Männern die Knie weichte. Mit klarem Blick sah sie sich um und ging langsam auf den Eingang zu.

Ein Mann, der wartend neben dem Eingang stand und eine Zigarette rauchte zog seinen Hut und nickte ihr freundlich zu.

60th-restaurantNachdem der Maître sie zum Tisch geleitet hatte, trafen sich ihre Blicke das erste mal.

Stundenlang hatte er sie schon auf den Fotos angesehen und es traf ihn doch völlig unvorbereitet.

Trockener Kehle brachte er in einem nervösen Lächeln verpackt ein krächzendes „Schön, dass du da bist! Ich habe mich sehr auf unseren heutigen Abend gefreut.“ hervor.

Fast wie gemalt sah sie aus, als sie ihm im Kerzenschein den Atem raubte. Ihr Augen funkelten unter sinnlich geschwungenen Augenbrauen und sahen ihn verheißungsvoll an. Sie hatte gepflegte blonde Harre, die ihre Schultern bedeckten. Ihre betonten Wangenknochen verliehen ihrem Gesicht eine gütige Form. Ihr Mund wurde von zwei bezaubernden Lachfältchen gesäumt. Ihre Lippen brachten sein Hemd zum beben.

Nachdem sie sich monatelang Briefe geschrieben und sich kennen und schätzen gelernt hatten war sie für einige Tage in der Stadt.

Die Hochzeit war in aller Munde. Ihr Cousin war der Bürgermeister und sie eine der Brautjungfern.

Während des Hauptganges schenkte der Sommelier Wein nach. Sie sah ihn nachdenklich an und legte das Besteck beiseite. Wir leben viel zu weit auseinander. Außerdem bin ich nur drei Tage hier. Ich kann nicht länger bleiben, sondern am Montag wieder an die Ostküste fliegen. Und im nächsten Urlaub besuche ich meine Tochter im Norden.

Ich befürchte, wir haben alles was wir wollen; alles was ich mir schon so lange ersehne – aber uns bleibt nur die heutige Nacht.

Ihm entglitt sein Glas und mit lautem Klirren ergoss sich der sündhaft teure Rotwein über den Tisch.

Es war ihm unendlich peinlich, doch sie lachte leise und verstohlen. Nachdem der Kellner die Situation bereinigt hatte und sich die vorwurfsvollen Augen der anderen Gäste abgewendet hatten, streifte ihr Fuß sein Bein. Da war es wieder, das Funkeln in ihren Augen. „Ich warte im Lessing-Hotel, Zimmer 52 auf dich. Komm´ in zehn Minuten nach, ich bestelle uns schon mal eine Flasche Champagner.“

Sie erhob sich, schaute gespielt vorwurfsvoll auf den Weinspritzer auf ihrem Kleid und verließ das Restaurant.

Langsam erholte er sich wieder. Mit zittriger Stimme bestellte er sich einen Scotch.

Dann brach er auf.

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19 Gedanken zu “Das erste Date

    1. Patrick H.

      Dankeschön Maren!
      Ich hatte diese Szene sehr deutlich vor Augen. Ich stelle mir NY in den späten 60th vor.
      Eine Fortsetzung wird es aber wohl nicht geben 🙃
      Außer hoffentlich bei euch da draußen im Kopf 🙃

      Gefällt 3 Personen

    1. Patrick H.

      Ich danke dir! Ich freue mich seehr über so ein Lob von dir!
      Wie man an der Uhrzeit sieht, gehört schlafen nicht unbedingt zu meinen Stärken 🙄
      Gelegentlich frage ich mich, ob es meine Leser irritiert, wenn ich so unterschiedliche schreibe, doch da ich hier schreibe, was mich bewegt, und ich nicht jeden Tag über Pizza schreiben kann, ist der Weg glaube ich ganz gut und ehrlich. 🙂
      Ich wünsche dir einen sonnigen Sonntag!
      Patrick

      Gefällt 1 Person

      1. Patrick H.

        Ja, ich schreibe grundsätzlich spontan und ohne Vorlagen oder andere Hilfsmittel.
        Daher habe ich auch keine feste Frequenz für meine Beiträge.
        Danke für dein Feedback! Ich meine auch Diversität ist alles!

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  1. Pingback: Allein – www.isso.blog

      1. elisabethsgeschichte

        Lieber Patrick, bis dahin kannte ich die Geschichte, aber wie Teil 4 weitergeht, würde ich so gerne wissen🙂 Strick‘ doch bitte mal weiter am Gewand😊
        LG Elisabeth

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      2. Kommt hoffentlich. Ich brauche da erstmal eine Timeline und muss mein Gedankengerüst unterbringen. Ich mag Zeitsprünge und parallele Handlungsstränge. Leider wird das wahrscheinlich sowohl meine zeitlichen Kapazitäten als auch mein Können überlasten. Ich habe ja vorher noch nie was geschrieben (außer technische Anleitungen) 😦

        Stay tuned 😉

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      3. elisabethsgeschichte

        Okay, die mangelnden zeitlichen Kapazitäten sind akzeptiert, aber das Können hast du, da kommst du jetzt nicht raus😊 Das hast du ja bereits schon oft bewiesen!

        Jep, will stay🤗
        LG Elisabeth

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    1. Dankeschön, das ehrt mich.
      Allerdings erwähne ich sicherheitshalber, dass die Vibes sicher genauso ´rüberkommen sollten, es sich aber natürlich um eine rein fiktive Begegnung handelt.
      Ganz so spannend ist mein Leben nicht 😂

      Ich stelle mir diese Szene in den späten sechzigern vor. Aber Gedanken können/dürfen/müssen ja frei in Zeit und Raum variieren.

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