Selbstwahrnehmung – ist Schönreden Selbstschutz?

Wer von euch kennt es nicht? Man sieht Menschen, wie sie sich haben und geben und bemerkt schnell: „Das passt nicht zusammen“.

Grau-melierte Herren mit schweren Uhren am Handgelenk werfen Blicke zu hübschen jungen Mädels und glauben diese könnten sie attraktiv finden. Sie finden sich so souverän, profilieren sich eloquent und sitzen, den Bauch leicht eingezogen in betont lockeren Posen während sie sich lachend mit ihren Longdrinks zuprosten. Sie fühlen sich begehrenswert, gutaussehend und genau so, wie sie seien wollen.

Die Mädels lächeln, drehen sich wieder um und verdrehen mundverziehend die Augen. „So teuer kann die Uhr gar nicht sein, dass ich da ´rübergehe“, meint die eine.

Leider fühlen sie sich nur so. Tatsächlich bekommen sie von den Mädels die Spitznamen: Der Bauch, die Nase und das Pizzagesicht.

Diese Situation ist natürlich nur ein Beispiel! Im Alltag habe ich viel mit Menschen zu tun und häufig stoße ich auch Personen, bei denen irgendetwas nicht passt. Nicht so auffällig, wie oben im Beispiel, doch immerhin so stark, dass diese Person einen Faden Beigeschmack bekommt.

Irgendwann kam ich dahinter. Es geht mir so, wenn die Person und ihr Umfeld von dem abweicht, was sie zu verkörpern glaubt. Da erzählt mir jemand, dass er ein absolut zuverlässiger Geschäftspartner ist und Verlaß das oberste Gebot. Und ich denke mir „Der glaubt sich das wirklich!“. Genau diese Person hat bereits mehrfach wegen Überarbeitung Zusagen nicht eingehalten. Sicher möchte er so sein, aber wenn er mal reflektieren würde, bekäme dieses Bild des gestandenen Hamburger Kaufmannes schnell Risse.

Frage: Habt ihr eure Selbstwahrnehmung mal mit den Bildern abgeglichen, die euer Umfeld von euch „zeichnet“?
Dieses „Spiel“ kann böse Überraschungen bereithalten und sollte nur an Tagen gespielt werden, an denen man „in sich“ ruht 😉

Ich nehme mich nicht davon aus. Auch ich blende mein Hüftgold gerne aus und spiele aktiv, wenn auch in der Regel unbewusst die eine oder andere Schwäche gern herunter. Doch warum? Ist es Selbstschutz, damit wir nicht zu eine depressiven Häuflein Elend werden? Oder ist einfach nur der leichtere Weg, als wirklich das zu sein, was man sein will?

Hat unser innerer Schweinehund, der mich beispielsweise nicht von Schokolade fernhalten kann Schuld an diesen Selbstlügen? Oder sehen wir uns mangels Blickwinkel nicht so deutlich, wie andere?

Kann ich ehrlich und aufrichtig mit anderen umgehen, wenn ich es nicht einmal bei mir selbst schaffe?

Ich werde in Zukunft noch mehr darauf achten, wie ehrlich ich wirklich zu mir selbst bin. In 60 Tagen habe ich mir einen Termin eingetragen. Dann werde ich reflektieren… Ich bin gespannt, wie ehrlich ich zu mir bin!

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35 Gedanken zu “Selbstwahrnehmung – ist Schönreden Selbstschutz?

  1. Ein schöner Beitrag, ja man muss wirklich kritisch an sich selbst arbeiten.
    Innere Schweinhunde kenne ich auch, einer heißt Yogurette.
    Was man nach außen zeigt, kann auch eine Schutzfuntion sein. So nach dem Motto harte Schale, weicher Kern. Aber er gibt natürlich auch viele Blender. 👀
    Bin gespannt was da kommt in 60 Tagen. 😊 Mal sehen ob bis dahin bei mir Yogurette auch die Flucht ergriffen hat. 😊 😉

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  2. Ein wunderbarer Beitrag Patrick, bin sehr beeindruckt, regt zum Nachdenken an. Jeder Mensch hat wohl das ein oder andere mal Probleme mit Selbstreflektion, so lange dies in einem gesunden Rahmen besteht, ist es auch nicht schlimm.
    Im Grunde habe ich vorwiegend krasse „Fälle“ in beide Richtungen kennen gelernt.
    Zum einen Menschen, die sich selbst für wertlos und unbedeutend halten, egal welche großen Dinge sie leisten… Die totale Selbstunterschätzung!
    Und eben das genaue Gegenteil, dies waren überwiegend Männer jenseits der 45, so wie du sie beschrieben hast. Hielten sich für super erfolgreich und vor allem unwiderstehlich… Wofür es absolut keinen Grund gab… Poser, Macher… Ich bin der Größte – Typen, die totale Selbstüberschätzung… Für mich das absolute Grauen…

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    1. Patrick H.

      Da gebe ich dir vollkommen recht! Wobei mich auch diejenigen nachdenklich stimmen, die bei mir dieses fade Gefühl herbeirufen. Denn letztlich sind sie unabsichtlich und aufrichtig. Und das sorgt für viele kleine Enttäuschungen, die sich summieren können.

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  3. Patrick H.

    Vielleicht möchte man anders sein und hinkt mit der Realität nur seinen Wünschen/Anforderungen nach? Einige von uns entwickeln sich ja mental weiter…
    Könnte auch ein Aspekt sein.

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  4. Vielleicht solltest Du einfach etwas liebevoller und nachsichtiger mit dir selbst umgehen? Ich glaube nicht, dass Du etwas zum Nachteil anderer machst. Wenn wir immer fair bleiben und zum Wohle des Ganzen handeln, können wir ein gutes Gewissen haben. Wer sich anders verhält, bekommt sowieso die Quittung in seinem Leben. Vielleicht nicht von dem, den er ungerecht behandelt hat. Aber es kommt zu ihm zurück.
    Zum ersten Beispiel mit den Männern an den Tischen, kann ich sagen, Männer finden sich oft selbst schön. Auch wenn sie es nicht sind. Frauen sind da viel kritischer mit ihrem Aussehen. 😉
    LG Susanne

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    1. Patrick H.

      Da gebe ich dir recht! Auch Männern würde in manchen Situation ein Conceilee gut zu Gesicht stehen. Wobei es ja genau darum geht: mangels Selbstwahrnehmung, natürlich nicht nur optisch, würden gerade diejenigen die nicht gut täte mal in den sinnbildlichen Spiegel zu schauen, dieses gar nicht bemerken. 🙂

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  5. Ein interessantes Selbstexperiment. Ich bin gespannt wie es in 60 Tagen ausschaut.

    Ich schließe mich Susanne an, treffender hätte ich es nicht schreiben können^^ Zum Thema Schweinehund – ich versuch meinen seit Jahren im Tierheim abzugeben. Keine Chance. Im Wald aussetzen hilft auch nicht. Nun bekommt er hin und wieder ein Leckerli zugeworfen und gibt sich damit sehr zufrieden. Was wieder Susannes Kommentar deckt – wir sollten vielleicht alle etwas nachsichtiger mit uns selbst sein 😀

    LG Frauke

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      1. Eis… Das war mein Stichwort 😀 Sport gibt es in den nächsten Tagen bei mir auch wieder. So ganz ohne Reiten auf Shaman wird es jetzt wieder längere Spaziergänge mit den Wauzis geben. Und Zumba. Auch wenn ich mich krankheitsbedingt davon dann Tage erholen muss 😀

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  6. Meine Meinung: Mitmenschen, die sich selbst überschätzen und auch meist solche, die ständig ihr Licht unter den Scheffel stellen, kann man nur schwer und oft auch vergebens helfen.
    Und da bin ich bei Dir, wenn jemand nach außen etwas anderes vorgibt als zu ihm/ihr passt, dann ergibt sich dieser „fade Beigeschmack“. Die Person und ihre Handlungen passen nicht zueinander. Sehr schade, dass offensichtlich der Druck von woher auch immer so groß ist, dass das wahre Ich nicht gelebt werden darf.
    Für Dein 60-Tage-Projekt drücke ich schon mal die Daumen und bin dann gespannt auf das Ergebnis.
    Liebe Grüße, Kerstin

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  7. Pingback: Liebster Award – 3.0 – isso und nicht anders?

  8. Mich quält es, mit 46 “noch jung” sein zu müssen. Thomas Mann erschuf die nobelpreisgekrönten “Buddenbrooks” mit Anfang zwanzig, Kafka den weltberühmten “Process” mit Anfang dreißig. Und ich würde mich wohl umgehend aus dem Fenster stürzen, wenn ich wirklich wüsste, wie mein Blick sich anfühlt für junge Frauen, falls er im Straßenbild versehentlich länger als den Bruchteil einer Sekunde bei ihnen verweilt. Kann ich sportlich sehen, kein Problem, ich habe meine Chance gehabt. Aber von unserer Gesellschaft obendrein genötigt zu sein, als Untoter quasi noch Tanzveranstaltungen heimsuchen zu müssen, erschöpft mich. Solch ein Wahnsinn kostet mehr Kraft, als die schwerste Wahrheit. Fakt ist jedoch auch, dass der Wahnsinn ein besserer Kunde ist, als die Wahrheit. Und das ist es wohl, was zählt in unserer Marktwirtschaft.

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    1. Patrick H.

      Ich bin mir gar nicht so sicher, in wie weit man in unserem Alter noch zwingend jung sein muss.
      Natürlich schürt die permanente Werbung das Verlangen immer jung schlank und voller Botox zu sein. Für mich habe ich allerdings abgemacht, dass ich mir jede meiner Falten hart verdient habe.
      Und ehrlich gesagt möchte ich auch gar nicht noch mal 20 sein, wie einige die offenbar etwas in Ihrem Leben verpasst haben.
      In Bezug auf diesen Artikel ist es natürlich wichtig, dass man selbst weiß, wer man ist, wo man steht und wie man auf andere wirkt.
      Die Männer aus meinem Beispiel können alt, dick und/oder hässlich sein. Was sie verbindet, ist die Fehleinschätzung, wie sie auf hübsche, junge Mädels wirken, die ihre Töchter sein könnten. 😉
      Häufig geht es ja gar nicht mal um Oberflächlichkeiten, wie das aussehen, sondern darum dass man seine berufliche Situation oder die Fähigkeiten falsch einschätzt und unglaubwürdige Versprechungen macht.

      Ich habe in dieser Woche einen Jungen Vertriebler bei mir am Tisch sitzen gehabt, der mir das Blaue vom Himmel versprochen hat und sich selbst Fristen gesetzt hat für die Reaktion auf meine Anfragen, die er nie einhalten kann.
      Irgendwie hatte ich plötzlich das Bild eines Kaninchen vor Augen hektisch hin und her hüpfen und und doch nicht beim Ziel ankommend. Er selbst schrieb mir am Folgetag eine E-Mail wie toll das Gespräch gelaufen sei und dass er sich nun um alles kümmern würde. Ergebnisse habe ich bis heute noch nicht. Ein klarer Fall von mangelnder Selbsteinschätzung.

      Also lass uns gerne alt und ehrlich zu uns selbst sein 🙂

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    2. Patrick H.

      Ich noch mal. Ich habe nun meine Erfahrung des Selbstexperimentes geschrieben.
      Morgen früh, werde ich ihn online stellen. Vielleicht interessiert es dich ja.
      Liebe Grüße
      Patrick

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  9. Pingback: Die Auflösung zu: Selbstwahrnehmung – ist Schönreden Selbstschutz? – isso und nicht anders?

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