Die Normalitäts-Theorie

Durch eine Bemerkung in meinem Umfeld wurde ich darauf aufmerksam, wie normal ich bin – oder war es unnormal?

Wo genau hängt die Messlatte dafür und wer legt fest, wie hoch sie wo hängt?

Natürlich gibt es mit Sicherheit meterweise Literatur zu diesem Thema, doch mir kam in den Sinn die Frage nicht nur zweidimensional zu stellen, sondern dreieinhalb bis vierdimensional! WAS ist WANN und WO normal?

Ich beginne kurz abstrakt, konkretisiere im Anschluss durch einige Fragen:

1. Dimension: Um zu entscheiden, was „normal“ ist, stelle ich mir im ersten Schritt eine Skala von 1 bis 10 vor. 1 bedeutet normal und 10 völlig jenseits von Absurdistan.

2. Dimension: Die gesellschaftliche Normalitätskrümmung. Jede Gesellschaft bringt es mit sich, dass gewisse Handlungen oder Ansichten, die in anderswo normal sind, als völlig absurd oder krank eingestuft werden.

3. Dimension: Die Zeitachse – so dreht sich nicht nur die Erde um die Sonne, sondern auch die Normalität um ihre Normen. Was heuer auf der Skala der ersten Dimension eine glatte 1 erhält, wäre vor 50 oder 100 Jahren undenkbar gewesen. Selbst den Gedanken auszusprechen wäre undenkbar und abnormal gewesen.

3,5. Dimension: Der Betrachtungswinkel – Wenn eine Person oder ihr Handeln auf der Normalitäts-Skala eingestuft werden soll und die ersten drei Skalen versucht werden zu berücksichtigen, greift auch noch der jeweilige Betrachtungswinkel: Beurteilt jemand aus der selben Zeit, aus der selben Gesellschaft und der selben Situation die Handlung oder Person?

Fragenroulette:
Bitte mischt die Person und die Jahreszahl und beurteilt aus der jeweiligen Sicht die Situation. Würde ein klares „Normal“ oder ein „Das ist doch unnormal“ über die Lippen kommen:

Person: 1. Nordeuropäischer Mann  2. Frau im Nahen Osten  3. Kind in Japan
Jahr: 1890  |  1950  |  2016

Situation 1:  Ein Staatsoberhaupt spricht sich für die gleichgeschlechtliche Ehe aus.
Situation 2: Es gibt eine Ausstellung mit nackten, gehäuteten Menschen.
Situation 3: Ein Straßenverkäufer filetiert einen Fisch bei lebendigem Leib.
Situation 4: In einem Filmtheater / TV sieht man zur Unterhaltung, wie Menschen Käfer essen und in Schlangen baden.

Die Personen, Zeiten oder Situationen kann man beliebig austauschen! Eigentlich steht doch niemandem zu, zu urteilen, was normal ist und was nicht. Es gibt nach dem Gaußschen Prinzip sicher eine Emotionsverteilung, sodass regional übermäßig viele zu einer bestimmten gleich Urteilen. Aber auch diese Urteile unterliegen einem steten Wandel.

Fazit: Ich bin kein überaus emotionaler Mensch und lebe meinem Urteil nach ein normales, nicht langweiliges Leben. Aber tut das nicht jeder von uns?

Schön, dass wir alle normal sind!

Ich bin normal und beruhigt.

Patrick

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PS: Um Emotionen hier nicht unnötig hochkochen zu lassen habe ich bewusst auf Fragen zum Thema Genitalverstümmelung, Todesstrafe, Missionierung von Ungläubigen verzichtet. Anhand solcher Fragen könnte man die unterschiedlichen Blickwinkel sicher noch vereudtlichen. Dies macht ihr aber bitte bei Euch zuhause und nicht hier. Ich danke Euch.

© Patrick H.

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21 Gedanken zu “Die Normalitäts-Theorie

    1. Patrick H.

      Ethik ist ein Teil der Psychologie, der sich mit einer Bewertung des Handelns befasst. Genau darum geht es. Ob wir es Normalität oder ethisches Handeln nennen ist glaube ich egal. Oder sehe ich das falsch?

      Gefällt 1 Person

      1. Patrick H.

        🙂 Du hast ja eigentlich recht. Aber 1960 war es normal, dass an der Spitze einer Firma ein Mann saß. Und was war 1942 in deutschland normal?
        Ich suche noch nach meiner eigenen Definition – oder ist die Frage vielleicht „Normal ist egal?“
        Eigentlich ist normal jetzt schon überholt…?

        Gefällt 2 Personen

  1. Pingback: Sucht nach Selbstzerstörung – isso und nicht anders?

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