Die Mär von der Meinungsfreiheit?

Wir leben in Deutschland, das Traumland für viele, die einen langen, gefahrvollen Weg auf sich nehmen um hier ein neues Leben anzufangen.

Sie kommen aus Ländern, in denen man, wenn man seine Meinung frei äußert, angefeindet, verprügelt, weggeschlossen, gefoltert wird, oder einfach verschwindet.

 

Bei uns sind Meinungsfreiheit und Pressefreiheit im Grundgesetz geregelt. Das klingt für diese Menschen nach paradiesischen Zuständen.

Doch wie sieht es tatsächlich in unserer Gesellschaft aus? Sind wir in der Lage unsere Meinung frei zu äußern? Oder sind wir nur meinungsfrei sicher und glücklich?

Anlass zu diesem Beitrag sind die offenen Anfeindungen, die eine Freundin von uns erfuhr, nachdem sie auf Facebook einfach „nur“ betont hatte, dass wir alle gleich sind und eingeräumt hatte, dass dies nicht jedem gefallen muss und wird, dies aber halt einfach so ist (isso).

Schlimmstenfalls hatte sie damit gerechnet, dass jemand anderer Meinung ist; dies ist ja zum Glück nicht strafbar, solange es mit geltendem Gesetz im Einklang ist.

Doch weit gefehlt. Nach einigen Tagen gab es anonyme Anrufe. Nachdem erst nur aufgelegt wurde, steigerte sich dann der Anrufer und es mündete in rassistische Parolen und Drohungen.

Natürlich gibt er immer Menschen, die leider nicht vom „rechten“ Weg abgekommen sind, jedoch sitzt die Wurzel des Übels meiner Meinung nach weit tiefer.

Ich persönlich gehe davon aus, dass eine Aktion oder Aussage meinerseits jederzeit eine Reaktion hervorrufen kann.
Es gibt viel zu viele Menschen in unserer Gesellschaft, die andere Meinungen nicht tolerieren oder akzeptieren. Wenn dann auch noch mehrere zusammenkommen, bildet sich schnell ein Mob und die Gefühle potenzieren sich.

Ein befreundetes schwules Pärchen hat derart viele negative Erfahrungen gemacht (die weit über angaffen und angeekelt wegdrehen hinausgehen), dass sie Volksfeste und andere öffentliche Veranstaltungen meiden.

Ist das das Deutschland der freien Meinungsäußerung und unantastbarer Menschenwürde?

Ich persönlich verkneife mir leider manch einen Kommentar, da ich in meiner Jugend viele negative Erfahrungen gemacht habe (zum Glück war ich ein hervorragender 100Meter-Läufer), bin aber sehr unglücklich darüber. Bitte versteht mich nicht falsch! Ich schaue nicht weg oder ignoriere rassistische Aktionen. Aber ich suche gleichgesinnte und gebe mich erst dann zu erkennen. Und wenn es jemand ist, der weiss, wer ich bin, wende ich mich lieber an die öffentlichen Stellen und bleibe Anonym (aus Angst).

Habt Ihr auch Bedenken in gewissen Situationen Eure Meinung kund zu tun?
Wie geht Ihr damit um? Haltet ihr den Mund, sobald es in der Nähe Eures Wohnortes ist, oder Eure Identität nachvollziehbar ist?

Ich bin aufgewühlt…

 

© Patrick H.

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14 Gedanken zu “Die Mär von der Meinungsfreiheit?

  1. Hallo Patrick, dass ist ein großes Thema. Ich bin auch nicht die Mutigste, aber ich denke man kann auch mit kleinen Dingen etwas bewegen. Ich meine zu Hause in der Familie. Heute erst sprach ich mit meinem Sohn, er war sehr aufgeregt, weil ein Fußballspieler angefeindet wurde. Es lief in den Medien, vielleicht hast du es gesehen. Wir sprachen darüber und ich beantwortete seine Fragen. Ich denke, dass die Kommunikation innerhalb der Familie auch wichtig ist, damit die Kinder die Situation im Land auch verstehen. Mein Sohn hat viele Freunde, egal welche Nationalität.

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    1. Patrick H.

      Ja, das habe ich eben in den Nachrichten gesehen.
      Leider bekommt dieser Beitrag dadurch eine Aktualität, die ich mir eigentlich nicht wünsche.
      Liebe Grüße an Deine Sohn. Wir sind alle gleich! Nur einige sind offenbar nicht so helle, dies zu verstehen…

      Gefällt 1 Person

  2. Lieber Patrick,
    meinen Beitrag „Gutmenschen“ hab ich genau aus diesem Grund geschrieben. Ich weiß grad nicht, ob ich schon länger am bloggen bin, als Du. Habe besonders anfangs extrem gespürt, dass wer sich sichtbar macht, der kriegt auch Gegenwind. Es ist für viele einfacher mit dem Strom zu schwimmen. Angst vor dem Unbekannten spielt auch eine große Rolle. Jedoch wer sich zeigt, wird verletzbar, muss noch mehr geerdet sein, weil er infrage gestellt wird, Gegenwind ihm ins Gesicht bläst. Ich hab mich erst mit dem Blog getraut, meine Meinung zu vertreten, später dann aktiv in sozialen Netzwerken kommentiert und entsprechendes gepostet oder bei „Freunden“ infrage gestellt. Ich hab also geübt und hab mittlerweile immer weniger ein Problem damit, meine Meinung direkt Face to Face zu vertreten. Ab morgen bringe ich dann als Dozentin Flüchtlingen die deutsche Sprache näher. Wichtig beim mitreden ist auch der Background. Leicht ist es trotzdem nicht.
    LG

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    1. Patrick H.

      Ich habe per Mail ganz schön fiesen Gegenwind bekommen, mit Kraftausdrücken, die ich hier nicht wiedergeben möchte.

      Trotzdem bleibt der Artikel online und ich hoffe, dass es bei schriftlichen Anfeindungen bleibt.
      Als Hamburger Jung bin ich ja eine Steife Brise von vorn gewöhnt 🙂

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    2. Genau so war das bei mir auch und ich schwimme in diesem Fall gerne mit dem – in meiner Welt -richtigen Strom!
      Ich selbst habe auch schon darüber geblogged! Meine Kids haben Freunde aller Nationalitäten und das ist gut so. Es erweitert den eigenen Horizont!
      Liebe Grüße
      Gabs

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  3. Hallo Patrick,

    erst vergangenen Samstag hatte ich dieses Problem. Ein Freund, den ich schon 30 Jahre kenne (wir hatten uns nur 17 Jahre aus den Augen verloren) hatte sich als „Pegida-Anhänger“ geoutet und meinte dazu, er habe schon im Netz gelesen, dass ich eine Gegnerin dieser Bewegung sei.
    Es ließ sich nicht vermeiden, dass es zu Diskussionen kam. Auch ließ sich nicht vermeiden, dass ich sehr laut wurde. Meine andere Freundin bat mich, leise zu sein und alle sahen mich etwas erschrocken an, da man mich so wirklich nicht kannte. So schnell bin ich normalerweise nicht aus der Ruhe zu bringen.

    Nachdem er mir allen Ernstes erklärte, dass es keine Nazis geben würde (ich befürchtete bereits, er würde nun auch noch den Holocaust leugnen), bat ich darum, diese Diskussion zu beenden. Immerhin waren wir zu einer Geburtstagsfeier der anderen Freundin eingeladen.
    Ich wäge zumeist ab, wann ich was sage. Wenn ich bemerke, dass ich nur meine Energie verschleudern würde, lasse ich es bleiben. Aber wenn ich (die Entscheidungen kommen aus dem Bauch heraus) spüre, dass ein Austausch durchaus konstruktiv sein könnte, wage ich es. In der Familie allerdings werden diese Themen meistens vermieden, da man mich kennt …. Es ist schon ein schwieriges Thema, Patrick. Denn auch Freundschaften gehen auseinander in diesen Zeiten – das ist einfach nur noch traurig. Leider ist es nicht immer vermeidbar.

    Ich verlinke Deinen Beitrag nun im Portfolio und danke Dir für die Gedankenanregungen.

    Herzliche Grüße

    Sylvia

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    1. Patrick H.

      Liebe Sylvia,
      das nennt man wohl Party-crashing. Es ist schwierig, den richtigen Moment zu finden um das Richtige zu einer Person zu sagen, die bereits radikalisiert wurde. Natürlich schaut man in irgend einer Art und Weise weg, wenn man nicht sofort die Stirn bietet!
      Das braune Gedankengut sickert und tropft über Jahre, wie in einer Tropfsteinhöhle und hinterlässt große Stalaktiten und Stalagmiten. Das Unterfangen dies im Rahmen eines Partygespräches verbal aufzulösen ist leider zum Scheitern verurteilt. Das bedeutet nicht, dass ich nicht genauso gehandelt hätte! Ich hätte mich garantiert nicht zusammengerissen.
      Wie du richtig erwähnt hast, muss man natürlich vorher abwägen, ob es überhaupt eine Chance gibt, nicht nur ge-, sondern auch erhört zu werden. Ab einem gewissen Punkt – Nennen wir ihn mal den Point of no Return – können wir als Laien meiner Meinung nach gar nichts mehr ausrichten, außer zu zeigen, dass es auch anders geht und dass es den Feindbildern eventuell sogar besser geht(wobei wir natürlich die Feindbilder sind).

      Ich meine, wenn es eine niedrigere Arbeitslosenquote, bessere Bildung und interessantere Freizeitangebote gäbe, hätte das braune Gedankengut nicht so einen idealen Nährboden.
      Hier wäre allerdings genau die Politik gefordert, die gerade, wie in meinem Beitrag erwähnt, vor dem Druck von rechts eingeknickt ist und mit einen Präzedenzfall geschaffen hat, indem die geplante Unterkunft für Asylsuchende nicht gebaut wird.
      Nachdenklich
      Patrick

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      1. Du bringst es genau auf den Punkt, Patrick.
        Nun, Oskar Lafontaine, mag man von ihm halten, was man will, hatte vor Monaten darauf aufmerksam gemacht, dass wir mehr soziale Gleichheit benötigen, damit der soziale Frieden herzustellen und die Grundlage von Fremdenhass und die Angst vor Ausgrenzung keinen Nährboden hat.
        Ich hatte dies auf „wiedaslebenklingt“ mal gebracht.
        Hm, das stieß nicht gerade auf Zuspruch – man muss nicht darüber nachdenken, warum das so ist ….

        Nachdenklich – auch ich,

        Sylvia

        Gefällt 1 Person

  4. Pingback: Teilnahme am Projekt „Gegen das Vergessen“ | Querdenkende

  5. Ich halte mit meiner Meinung nicht hinter dem Berg.
    Werde dann zwar halt als Sonderling oder komischer Kauz angeschaut, aber da mir egal ist, was andere über mich denken, habe ich zwar nicht viele Freunde, was mir auch egal ist, aber die welche ich habe, das sind dann wirkliche Freunde. Und damit kann ich ganz gut leben, da ich selbst immer noch mein bester Freund bin.

    Gefällt 2 Personen

    1. Schön wenn man weiß, wer ein echter Freund ist. Das ist ja nicht immer leicht zu erkennen.
      Und ja, es ist wichtig seine Meinung zu äußern und für sie einzustehen, allerdings ebenso zu zuhören und ggf die eigene Meinung zu „tunen“ wenn man neue Erkenntnisse hat.

      Gefällt 1 Person

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