Der Glücks-Katalysator #2 – Ergebnisse eines Selbstversuches

Vor circa vier Wochen habe ich in meinem Beitrag „Der Glücks-Katalysator“ den häufigen Mangel von Interesse an unseren Mitmenschen beschrieben.

In diesem Zusammenhang habe ich einen Selbstversuch gestartet. Wie wirkt es sich aus, wenn man mehr Zeit in das Miteinander investiert und sich ein µ mehr Zeit für seine Mitmenschen nimmt?

Viele Situationen habe ich reflektiert und bin zu dem Entschluss gekommen: „Ich breche das Experiment ab!“.

Auf dem Weg der täglichen beruflichen Effizienzsteigerung war irgendwann einfach keine Zeit mehr für ein aufrichtiges Lächeln – selbst, wenn ich Kunden besucht habe, die mir wirklich am Herz liegen. Kunden, an denen ich mit gestresster, freundlicher Miene vom meinem strammen Zeitplan vorbeigeweht wurde.

Es war Anfangs etwas schwierig. Wie soll mann nett sein, wenn das Smartphone am Ohr festgewachsen zu sein scheint und man sogar während eines Bezahlvorganges im Supermarkt telefoniert?

Warum bloggen wir, twittern, teilen Fotos auf Flickr, zeigen (in jungen Jahren) unseren Eltern stolz das neueste selbstgemalte Bild? Wir wollen uns mitteilen und positive Bestätigung. Denn dies ist der Kraftstoff, der unser Ego am Laufen hält.

Ich verstaue das Smartphone in der Tasche, denn Mails habe ich schon vor 3 Minuten gecheckt, lege meine Einkäufe im Supermarkt auf Band und begrüße den Kassierer mit Augenkontakt und einem freundlich-verbindlichen, hanseatischen „Moin“. Er lächelt, nickt und zieht die Barcodes über den Scanner. Nach dem Bezahlen wünscht er mir einen schönen Tag; ein Lächeln wird ausgetauscht und ich eile weiter. Eilen darf man auch, wenn man sch für die anderen mehr Zeit nimmt 😉

Am Ausgang steht eine vermeintliche Obdachlose, die mir ein Magazin verkaufen möchte. Ich teile ihr freundlich mit, dass ich das eh nicht lesen würde, ihr aber gern einen Capucino oder Tee holen würde. Sie dankt und würde, wegen des herbstlichen Wetters, wirklich gern einen Tee trinken.
2 Minuten später dankt sie mir, ich steige ins Auto und fahre weiter.

Eine langweilige kleine Alltagssituation. Aber genau wegen dieser kleinen zwischenmenschlichen Kontakte führe ich ja dieses Experiment. Der Vergleich vorher – nachher.

Ich habe in meiner Mittagspause Menschen in ihrem Alltag beobachtet. Im Alter von circa dreißig Jahren scheint der berufliche Karrieredrang auf der einen und der immense Stress durch die Kinder auf der anderen Seite dafür zu sorgen, dass der Stress überhand nimmt und wir, immer schon mit dem Gedanken beim nächsten 2do oder beim Smartphone, fast nur noch durch Floskeln und Worthülsen kommunizieren.

Ich überlege und stelle fest, ich war später an diesem Punkt, aber ich war da! Und jetzt bin ich drüber weg. 🙂

Daß ich das Experiment abgebrochen habe, hat einen einfachen Grund. Ich will mehr und ich werde es weiterführen – nicht mehr als Experiment, sondern als Lebenseinstellung. Ich habe in diesen vier Wochen so viel neues Erfahren – vieles, was mich überhaupt nicht weiterbringt – aber das muss es ja auch nicht! Genau das ist der Punkt!

Es kollidiert nicht mit meinen geschäftlichen Interessen und meinen persönlichen Karriereplänen, wenn ich mir mit einem Cappuccino in der Hand die Zeit nehme, die Touristen zu beobachten, die staunend und knipsend durch die Hafen-City irren. Es bringt mich sogar weiter, denn ich komme auf frische Ideen oder bekomme durch die Steife Brise einfach nur den Kopf frei gepustet.

Und da ist es wieder, ein leises Lächeln, das mir hilft, mich ein wenig glücklicher zu fühlen. Zeit, Gelassenheit und etwas was man gern hat sind die Zutaten für den Glücks-Katalysato; und alles 4 free!

Anschließend werfe ich mich mit einem zufriedenen Lächeln wieder in die Brandung meines Berufslebens… immer noch gestresst, aber ein wenig glücklicher!

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12 Gedanken zu “Der Glücks-Katalysator #2 – Ergebnisse eines Selbstversuches

  1. So geht es: das MenschSein und ich wünsche mir so sehr, dass viele Menschen solche Experimente starten und sie abbrechen, um sie in ihre Lebenseinstellung zu integrieren.

    Ich hatte vor einigen Wochen auch ein Experiment gestartet.
    Da ich eine Dauerdenkerin bin, sehe ich im Alltag oft aus, als würde ich bös schauen.
    Also lächelte ich ein wenig – nur so viel, dass sich meine (nur leicht merkelverdächtigen) Mundwinkel etwas nach oben ziehen.
    Ein Wunder geschah!
    Manche sehen mich an, als würden sie sich wundern, einen frohen Menschen zu sehen.
    Manche denken sich, ich hätte einen Dachschaden und manche reagieren mit einem Lächeln.
    Es lohnt sich wegen der letzten MANCHE. …

    So geht es – ich danke Dir, dass Du so offen bist für das Miteinander.

    Herzlich sächsische Grüße – gerade aus Dresden

    Sylvia

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  2. Hallo Patrick,

    ich war zu Beginn mächtig verdutzt über das Abbrechen des Experiments! Das offensichtliche. Tja, es kam anders – und viel besser! Ich freue mich wirklich sehr, dass du das neue Verhalten und dein neues Miteinander quasi als Dauereinrichtung handhaben wirst.
    Es ist wirklich ein Unterschied wie Tag und Nacht, wie viel mehr man vom Gegenüber und vom Drumherum wahrnimmt, auf etwas hin agiert oder reagiert, drei persönliche Worte mehr aus der Tasche zaubert … Ich finde sowohl deinen Entschluss sehr gut, als auch deinen Blogbericht dazu sehr lesenwert!
    Wie du selbst es auch festgestellt hast – man investiert nicht nur selbst hinein, man löst auch in sich etwas sehr Positives damit aus. Vom unerklärlich auftauchenden sehr angenehmen Strömungen über einen kreativen Gedankenflug und einfach mehr Freude am gesamten Schaffen.

    Liebe Grüße
    Michèle

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  3. Meine Devise: ich kann alle Dinge mit guter oder schlechter Laune tun. Ich habe mich für die gute entschieden und dies zieht alles an Freundlichkeit und Aufmerksamkeit automatisch nach. Herrlich ist das!
    Schönen Abend Dir und danke für das Lächeln, das Du mir mit Deinem Kommentar auf meinem Blog gezaubert hast 🌞

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  4. Das ist sehr interessant, was du da schreibst, weil ich das „Experiment“ schon jahrelang durchführe und mittlerweile eine Lebenshaltung daraus gemacht habe. Aber ich habe einen entscheidenden Vorteil: ich lebe normalerweise ohne andere Menschen um mich her, sehr abgeschieden auf dem Land und sehe nur meine Familie. Ich tauche nur so alle 4-6 Wochen für einen Tag in Großstädte ein. Dann gelingt es mir sehr gut, überall freundlich zu sein. Aber wäre das mein Alltag? Immer umringt von Menschenmassen, egal wann wie wo?! Wie wäre ich dann? Das kann ich nicht beantworten.

    Egal, wie auch immer. Ich denke oft, daß Präsenz das Wichtigste ist. Kennst du „The artist is present“ von Marina Abravomic? Ich habe mich gefragt, warum viele Menschen da weinten, als sie ihr gegenüber saßen. Die Antwort wurde mir bald klar: Weil heute niemand mehr einfach nur präsent ist und einfach nur -wenn auch nur für einen kurzen Moment- mit reiner Liebe und ohne Ansprüche und Fake-Smile nur DA.
    Also jeder der Präsenz zeigt, freundlich ist, aufmerksam usw. kann einen großen Unterschied machen mit dieser kleinen Geste, nämlich eine andere Seele berühren und vielleicht sogar vermitteln: Du bist wichtig. So wie wir alle.

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