Blickicht: Das Soll und Haben der Begierde

Blickicht ist mein ehemaliger Blog. Dieser Artikel hat mich kürzlich wieder mental beschäftigt, daher teile ich ihn gern mit Euch. Derzeit sehe ich viele freiwillige Helfer, Menschen helfen und sich selbst und ihren Konsumwahn hinten anstellen. Das freut mich sehr.

Repost: Der Volksmund sagt „Sex sells“.

Bereitwillig, wird diese Weisheit aufgenommen und jeder Haushaltsreiniger, jedes Sofa und jeder Probiotische Drink wird nicht mehr als Produkt platziert, sondern zum Beiwerk zu einem ganz oder teilweise abgebildeten, natürlich wohlgeformten, Frauenkörper.

Im Zeitalter der Gleichstellung, gibt es natürlich auch einen verschwitzten, muskulösen Mann, der Getränkekisten liefert und Ehemänner, die dank stark zuckerhaltigem Naschwerk den Haushalt und die Kinder im Griff haben.

Alles lächelnd, nie dickbäuchig und immer eingebunden in eine Happy Family.

Sind wir wirklich so einfach zu steuern?

Was passiert, wenn wir ein beliebiges Produkt nehmen und durch ein fettes Werbebudget allgegenwärtig machen? Welche Kriterien zählen wirklich bei Kaufentscheidungen? Welche Wünsche steuern mich? Wird da nicht ganz übel mit meinen Urinstinkten gespielt?

Früher war das alles ganz einfach.

Man(n) hatte seine Höhle, ging auf die Jagd oder sammelte zur Not Beeren und versorgte seine Familie. – Wirklich?

War nicht derjenige, der das größte Stück Beute anschleppte der Macher? Er stellte sich in die Mitte seines Rudels oder seiner Rotte und prahlte damit.

Und jetzt?

Wie läuft es heute in unserer Konsumgesellschaft? Natürlich will man nicht mehr das größte Stück Fleisch nach Hause schleppen. Aber den größten Marken-Flachbildfernseher, das coolste Smartphone oder halt das Sofa, auf dem sich in der Werbung diese hübsche Frau räkelt.

JA, ich Will!

Ich will Anerkennung, ich will meine Begierde befriedigt haben. Ich muss das jetzt haben! Ist es nicht herrlich, wenn man das neueste Automodell hat und man spürt, wie sich die Blicke auf einen Heften?

Mein kleiner, großer Erfolg. JA, eigentlich bin ich ganz schön arm.

Ich habe keine nennenswerte Gesangsgabe geerbt und auch in anderen Bereichen hat die Muse lieber andere geküsst. In der Uni, war ich mehrfach, allerdings nur zur Mensaparty. Also hat es auch nicht zum Kredithai gelangt. Aber auch ich muss mein Soll erfüllen und brauche Erfolge, damit mein Ego nicht vor die Hunde geht. Also brauche ich eben ein Statussymbol, das ich mir leisten kann.

Wäre es nicht schön, wenn wir uns und unsere Mitmenschen nicht auf ihren Besitz reduzierten?

Was ist mit dem, was uns eigentlich ausmacht? Menschlichkeit, Fürsorge, Umsichtigkeit und hin und wieder etwas Nächstenhilfe.

Ich kenne wenige Menschen, die durch ihre Menschlichkeit wertig sind. Es ist nicht wichtig, wie es bei denen im CarPort aussieht.

Befriedigung durch Menschlichkeit

Menschlichkeit ermöglicht uns aus dem Kreislauf der Konsumbegierde auszubrechen. Sicher muss man nicht dem neuesten Smartphone entsagen um ein glücklicherer Mensch zu sein. Aber wir sollten weder uns noch andere auf derartiges Blendwerk reduzieren, sondern die Annehmlichkeiten dieser Produkte in Kauf nehmen und sie nicht mehr sein lassen, als sie sind – Produkte.

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5 Gedanken zu “Blickicht: Das Soll und Haben der Begierde

  1. Ich habe manches
    mir fehlt nichts
    Suchen werde ich mein Leben lang und auf dem Weg sicher noch vielen Menschen,
    hoffentlich auf Augenhöhe begegnen.
    Mein Sohn ist erwachsen geworden.
    Er lächelt nicht mehr, nur weil seine Mutter sich sträubt, sich Markennamen zu merken.
    Er weiß heute, dass den Menschen, der Blickwinkel ausmacht den er in der Lage ist zu verändern, die Ohren die aufnehmen und versuchen zu verstehen
    und die Worte die er spricht.
    Und eben nicht die Marke am Ohr wie beim Steiff Teddy.

    Und schon hat die Mutter sich selbst überführt. ,-)

    Gefällt mir

    1. Patrick H.

      Hallo Maren,
      Blickicht war etwas „forderner“. Leider habe ich regelmäßig Diskussionen gehabt, weil sich jemand angepi### gefühlt hat.
      Außerdem kannten viele aus meinem Real Life den Blog.
      Witzig, dass du das siehst, gestern sah ich, dass die Domain am Monatsende endlich ausläuft 🙂
      Der Original-Beitrag müsste so 2,5 Jahre alt sein – ich finde er ist wirklich noch sehr aktuell. Schade eigentlich, dass alte Beiträge fast nie gelesen werden.
      🍀⚓️

      Gefällt 1 Person

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