Der Glücks-Katalysator #1

„Innerhalb der letzten 15 Jahre ist das Leben viel hektischer geworden. Beruflich wird es anstrengender, weil alles immer durchorganisierter wird. Für das menschliche Miteinander ist immer weniger Zeit und irgendwie reibt man sich auf, um über die Runden zu kommen.“

So oder ähnlich äußern sich viele, wenn man sie auf diese Themen anspricht. Aber nicht nur heute! Genauso war es vor fünf Jahren, vor 20 Jahren etc. Wie kommt das?

Ich glaube wir sind das Problem. Dadurch, dass es gern immer noch etwas mehr sein darf und wir so in der Bedruille sind immer mehr zu verdienen um unseren wachsenden Anforderungen gerecht zu werden, müssen wir in der selben Zeit einfach mehr schaffen. Dadurch bleibt leider das Miteinander auf der Strecke und irgendwann bekommt man das Gefühl sein Leben nur noch selbst zu verwalten und wird gram und grau.

Nur wenige Menschen, die ich kenne, haben ihn sich bewahrt. Genau den Moment, für den man sich etwas Zeit nimmt, oder genau den Nachmittag, an dem man mit seiner Partnerin einfach mal durchbrennt, um einen romantischen Sonnenuntergang an der Nordsee zu verbringen.

Wer mich kennt weiß, dass ich beruflich extrem eingespannt bin und, während meines täglichen Kampfes gegen Windmühlen, stets die Prozesse weiter optimiere und rationiere. Gelegentlich scherze ich, dass ich mich irgendwann selbst virtualisiere. Dabei ist es eigentlich mein Traum, denn dann hätte ich endlich genau diese Zeit, die irgendwann abhanden gekommen ist.

Vorträge und Belehrungen über die perfekte Work-life-Balance gibt es reichlich, doch scheinen sie nicht unbedingt zu funktionieren, oder wenigstens nicht hier und jetzt.

Es geht eigentlich auch nicht darum mehr oder weniger zu arbeiten, sondern einfach herzlicher und menschlicher zu sein und dazu gehört nicht viel und mithilfe eines Glücks-Katalysators wird das Leben plötzlich viel bunter und herzlicher.

Nein, ich meine nicht dieses Zeug, das man in eine Tüte dreht um sich vom Alltag zu betäuben. Ich meine Dich und Deinen Blick für die Situation.

Ich habe es im Kleinen getestet und glaube daran. Also werde innerhalb der kommenden 4 Wochen in einem Selbstexperiment die Wirkung testen und dann an dieser Stelle berichten.

Was genau tun wir und was ist die Wirkung?

Ich zeichne kurz ein Bild: Auf dem Weg zu einem Termin betrete ich eine Firma, in der mich jeder kennt und in der ich ein und aus gehe, ohne ein echter Besucher zu sein. Mit einem kurzen „Moin“ passiere ich den Empfang und verschwinde im Meetingraum, in dem ich im Rahmen einer Präsentation die Anwesenden von etwas überzeuge oder auch nicht. Auf dem Rückweg in meine Firma klebt mein Smartphone an meinem Ohr und als ich an meinen Schreibtisch komme, entsperre ich meinen Bildschirm und fange während ich mich am Telefon verabschiede an meine Mails zu überfliegen.

Das war herzlos und unpersönlich und mit minimalem Aufwand hätte ich für Lächeln und kleine Glücksgefühle sorgen können. Zeit – und wenn es nur ein Augenblick ist – kann mir helfen genau diese Situation mit einem Lächeln und Sympathie zu durchleben.

Das gleiche Bild mit drei Minuten mehr Zeit: Auf dem Weg zu einem Termin betrete ich eine Firma, in der mich jeder kennt und ich ein und ausgehe. Die beiden Frauen am Empfang sehen mich an und mir fällt auf, dass eine der beiden beim Friseur war. Ich begrüße beide und sage, dass es schön ist, wieder hier zu sein – denn es ist wirklich so (warum soll ich das nicht erwähnen). Ich erfreue mich an der Frisur, sage, dass sie gut gelungen ist und gehe mit einem Augenzwinkern weiter zum Meetingraum. Hier treffe ich auf 4 Menschen, bei denen ich mich erkundige, wie es denn so aktuell läuft. Der eine hat wieder mit Sport angefangen und der andere zieht um und schwärmt von seiner neuen Wohnung – eine schöne Altbauwohnung, in der leider noch viel zu tun ist. Nachdem wir kurz geplauscht haben, starten wir die Präsentation mit einem Lächeln und fühlen und viel näher.

Was ist passiert? Ich interessiere mich für mein Umfeld und investiere einen kurzen Moment meiner Zeit in die Menschen, denen ich begegne. Zugegeben ist das Beispiel mit der Frisur abgegriffen und langweilig, das Leben schreibt viel interessantere Geschichten, wenn man sie zulässt.

Was hatte ich? Ehrliches Interesse an meinem Gegenüber und seiner Situation. Floskeln und platte Verkäufersprüche helfen nicht, näher an seinen Gesprächspartner heranzukommen. Nur, wenn ich mich aufrichtig interessiere, wird sich ein individuelles Thema ergeben. Und wenn nicht, reicht ja auch ein Lächeln oder freundliches Zwinkern. Diese kleinen Glücksmomente, die sich durch den Einsatz minimaler Zeit ergeben, verändern den Gefühlten Alltag erheblich.

Wenn ich einkaufen gehe und jemandem lächelnd die Tür aufhalte, freue ich mich über das Lächeln, das mir entgegenschlägt und wir beide tragen es weiter.

Ich glaube innerhalb der letzten 15 Jahre sind wir einfach nur gestresster und teilnahmsloser geworden und mit dem Glücks-Katalysator des kleinen Augenblickes, den wir in eine Situation investieren, können wir die Uhr zurückdrehen.

Ich werde an diesem Experiment teilnehmen – Treffen wir uns in 4 Wochen wieder hier?

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4 Gedanken zu “Der Glücks-Katalysator #1

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